Orang-Utans als Boxer und Tänzer: Tierquälerei in asiatischen Vergnügungsparks
Um zehn Uhr morgens beginnt im thailändischen Vergnügungspark Safari World nahe Bangkok ein ungewöhnlicher Boxkampf. Hunderte Zuschauer, darunter viele Kinder, drängen sich vor der Bühne und halten ihre Handykameras bereit. Doch in den Ring steigen keine menschlichen Kontrahenten, sondern zwei Orang-Utans in engen Sporthosen und Boxhandschuhen. Das Publikum klatscht und lacht, während die Menschenaffen einstudierte Haken schlagen und sich theatralisch zu Boden werfen.
Entwürdigende Shows lösen Entsetzen aus
Daniel Merdes, Geschäftsführer der Tierschutz-Stiftung BOS Deutschland, zeigt sich entsetzt über diese Praktiken. „Denen würde das Lachen vergehen, wenn sie das Leid und die Folter sehen könnten, die diese gebrochenen Menschenaffen durchmachen“, erklärt er. Kürzlich besuchte er im Nachbarland Kambodscha den Phnom Penh Safari Park, wo ähnlich fragwürdige Darbietungen stattfinden. Dort müssen weibliche Orang-Utans sexualisierende Popobewegungen zu ohrenbetäubender Musik ausführen, während das Publikum tobt.
Die faszinierenden Primaten teilen 97 Prozent ihres Erbguts mit dem Menschen, sind aber dennoch wilde Tiere, die für ein Leben in den Baumwipfeln des Urwalds geschaffen wurden. Stattdessen verbringen sie in südostasiatischen Parks ihre Nächte auf kaltem Betonboden, weit entfernt von selbst gebauten Schlafnestern.
Sex sells: Leoparden-Slips und Boxhandschuhe
In Safari World Bangkok setzen die Betreiber bewusst auf sexualisierte Darstellungen. Ein Weibchen zieht auf Kommando einen roten Rock hoch, darunter trägt es einen Slip im Leopardenmuster. In aufreizender Pose rekelt es sich auf dem Bühnenboden, bevor der Boxkampf beginnt. Die Animateure feuern die Orang-Utans an, bis der vermeintliche Sieger die Arme in die Höhe reißt. Doch die eigentlichen Gewinner sind die Parkbetreiber, bei denen täglich die Kassen klingeln.
Auf seiner Webseite wirbt der private Park mit „Unterhaltung pur“ und verspricht Besuchern, sie würden sich „vor Lachen auf dem Boden wälzen“. Von der Kritik der Tierschützer zeigt man sich unbeeindruckt.
Tierschützer appellieren an Touristenverantwortung
Jason Baker, Präsident der Tierrechtsorganisation PETA Asien, betont: „Orang-Utans gehören in die Baumkronen des Regenwaldes – nicht in Boxringe oder auf Bühnen, wo sie erniedrigende Kunststücke vorführen.“ Er appelliert an Touristen, Einrichtungen zu meiden, die Tiere zur Unterhaltung missbrauchen. Solche Shows wären in Ländern wie Deutschland illegal.
Wer dafür bezahle, mit Wildtieren in Kontakt zu treten, unterstütze die schmerzhafte Trennung von ihren Familien und die lebenslange Gefangenschaft. Auch andernorts bieten Zoos Interaktionen an, etwa im Bali Zoo mit einem Frühstück für 35 Euro oder im The Zoo Wildlife Park in Dubai.
Social-Media-Star Habouba: Ein unerträgliches Schicksal
In Dubai ist das Weibchen Habouba zum Social-Media-Star geworden. Merdes beschreibt ihr Schicksal als unerträglich: Ständig müsse sie für Fotos posieren, werde angefasst und müsse Händchen halten. Belohnt werde sie mit billigen Tütensuppen. „Könnte diese übergewichtige Affendame je wieder lernen, auf Bäume zu klettern und Nahrung zu finden?“, fragt sich der Tierschützer.
Die faszinierenden „Waldmenschen“ sind vom Aussterben bedroht und leben in der Wildnis nur noch auf Borneo und Sumatra. Jeden Tag verlieren sie mehr ihres Dschungelreichs durch Rodungen für Palmöl und illegalen Schmuggel.
Opfer des Wildtierhandels: Ein Milliardengeschäft
Die meisten Orang-Utans in Shows und Parks – oder ihre Eltern – wurden gewaltsam ihrer Heimat entrissen. Sie sind Opfer des Wildtierhandels, ein organisiertes Verbrechen, das laut Interpol jährlich bis zu 17 Milliarden Euro einbringt und zu den lukrativsten Verbrechen überhaupt gehört.
„Das Leid der Menschenaffen in solchen Touristenattraktionen und privaten Zoos kann nur gestoppt werden, wenn sich damit kein Geld mehr verdienen lässt“, ist Merdes überzeugt. BOS betreibt in Borneo „Waldschulen“, in denen gerettete Orang-Utans auf ein Leben in Freiheit vorbereitet werden.
Hoffnungsschimmer: Kapuans Rückkehr in die Freiheit
Ein Beispiel ist Kapuan, die 2004 nach Druck von Tierschützern aus Safari World befreit wurde. 47 Tiere wurden zwei Jahre später nach Borneo zurückgebracht. Kapuan musste in der BOS-Waldschule alles neu lernen, kannte sie doch nur das Dasein als Attraktion in Thailand. Im November konnte die 26-jährige Orang-Utan-Frau endlich ausgewildert werden und lebt nun selbstbestimmt im Regenwald – nach fast 20 Jahren Rehabilitation.
Doch während Kapuan ihre Freiheit genießt, gehen die entwürdigenden Shows in den Vergnügungsparks weiter. Tierschützer hoffen, dass mehr Touristen ihre Verantwortung erkennen und solche Einrichtungen meiden.



