Ostsee-Wal vor Poel: Keine Rettungsversuche mehr - Ministerium bekräftigt Entscheidung
Der an der Ostseeküste vor der Insel Poel gestrandete Buckelwal atmet weiterhin, doch es wird keine weiteren Rettungsversuche mehr geben. Das Schweriner Umweltministerium hat nach einer aktuellen Lagebesprechung bekräftigt, dass das Tier in Ruhe gelassen werden soll. Diese Entscheidung basiert auf wissenschaftlichen Gutachten und wird vom International Whaling Commission Strandings Expert Panel (IWC SEP) unterstützt.
Private Rettungsangebote abgelehnt
Mit Blick auf ein Angebot von privater Seite, den im Schlick liegenden Wal freibaggern zu wollen, sagte ein Sprecher des Ministeriums deutlich: "Es wird keine Genehmigung dafür geben." Die Begründung ist eindeutig: "Man würde das Tier nur weiterem Stress aussetzen und müsste davon ausgehen, dass es bei nächster Gelegenheit wieder strandet." Die Behörden haben bereits eine 500-Meter-Schutzzone um den Wal eingerichtet, die nicht befahren werden darf.
Fachleute bestätigen Sterbeprozess
Experten sind sich einig, dass das Tier im Sterben liegt. Bianca König von der Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) Deutschland erklärt: "Der Wal reagiert nicht mehr auf Boote, was ein deutliches Zeichen für den Sterbeprozess ist." Umweltminister Till Backhaus (SPD) hatte bereits am Dienstag auf Grundlage eines wissenschaftlichen Gutachtens entschieden, den Wal in Ruhe sterben zu lassen. Das IWC SEP betont, dass weitere Rettungsversuche das Leiden des Tieres nur verlängern würden.
Anfeindungen und juristische Konsequenzen
Die Situation um den gestrandeten Wal hat zu heftigen Reaktionen geführt. Nach Anfeindungen gegen Behörden, Wissenschaftler und Helfer prüft die Landesregierung in Schwerin nun Strafanzeigen. Der Sprecher des Umweltministeriums stellt klar: "Was strafrechtlich relevant ist, wird zur Anzeige gebracht." Im Umwelt- und im Innenministerium werden entsprechende Äußerungen gesammelt und geprüft.
Die Drohungen richteten sich unter anderem gegen:
- Behördenmitarbeiter
- Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen
- Ehrenamtliche Helfer
Gemeinde distanziert sich deutlich
Gabriele Richter (parteilos), Bürgermeisterin der Gemeinde Ostseebad Insel Poel, verurteilt die Anfeindungen aufs Schärfste. In einer Stellungnahme bei Instagram teilt sie mit: "Mit großer Sorge beobachten wir das Verhalten einzelner Personen, die ohne jegliche fachliche Qualifikation den zuständigen Stellen ein vorsätzliches, kriminelles Handeln zum Nachteil des Tieres vorwerfen oder sogar Morddrohungen gegen einzelne Personen aussprechen." Die Gemeinde distanziert sich ausdrücklich von solchem Verhalten.
Die Entscheidung, den Wal in Ruhe sterben zu lassen, bleibt damit endgültig. Fachleute und Behörden sind sich einig, dass dies aus Tierschutzsicht der beste Weg ist, um dem Tier unnötiges Leiden zu ersparen.



