Strafbefehl gegen Rügen-Fischer: Kegelrobben in Reuse verendet
Strafbefehl: Fischer ließen Kegelrobben verenden

Strafbefehl gegen Fischer: Kegelrobben in Reuse qualvoll verendet

Die Staatsanwaltschaft Stralsund hat gegen zwei Fischer von der Insel Rügen Strafbefehle erlassen. Die 43 und 66 Jahre alten Männer müssen für den Tod von mindestens fünf geschützten Kegelrobben zahlen. Der Vorwurf lautet, dass sie nichts unternommen haben, um zu verhindern, dass die Tiere in ihre Schwimmreuse schwammen und dort erstickten.

Geldstrafen in Höhe von drei Monatsgehältern

Wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz verhängte die Behörde gegen beide Fischer Geldstrafen in Höhe von jeweils drei Monatsgehältern. Die Entscheidung wird rechtskräftig, wenn die Angeschuldigten nicht binnen zwei Wochen widersprechen. Sollten sie Einspruch einlegen, kommt es zur Verhandlung vor dem Amtsgericht Stralsund.

Tragisches Geschehen im Herbst 2024

Die beiden selbstständigen Fischer betrieben im Herbst 2024 in der Nähe des Thiessower Hakens eine Schwimmreuse. Bei ihren regelmäßigen Kontrollen erkannten sie, dass besonders geschützte Kegelrobben auf Nahrungssuche in die Reuse schwammen und dort qualvoll erstickten. Dennoch unterließen sie geeignete Schutzmaßnahmen.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

„Hierdurch verendeten mindestens fünf Kegelrobben, was die Angeschuldigten zumindest billigend in Kauf nahmen“, so die klare Aussage der Staatsanwaltschaft. Die Behörde betont, dass die Fischer ihre Verantwortung für den Schutz der Tiere vernachlässigt haben.

Rätselhafte Robben-Todesfälle an Rügens Küste

Im Oktober 2024 waren in kurzer Zeit mehr als 40 tote Robben an Rügens Küste gefunden worden. Untersuchungen schlossen einen natürlichen Tod aus. Experten des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund fanden Hinweise darauf, dass die Robben ertrunken sind – wahrscheinlich in einem Netz oder einer Reuse.

Laut Staatsanwaltschaft war es nur in fünf Fällen möglich, einen direkten Zusammenhang zwischen dem Tod der Robben und dem Handeln der Fischer nachzuweisen. Ein Sprecher erklärte jedoch, dass dies nicht ausschließe, dass weitere Robben in der Reuse oder in anderen Reusen zu Tode kamen. Weitere Ermittlungsverfahren gibt es derzeit nicht.

Sofortmaßnahmen und historische Vorfälle

Nach der Häufung von Robben-Todesfällen erließ der Schweriner Umwelt- und Fischereiminister Till Backhaus (SPD) Sofortmaßnahmen. Seither dürfen größere Fischreusen an der gesamten Küste nur noch mit speziellen Robbenschutzvorrichtungen aufgestellt und betrieben werden.

Bereits 2017 gab es eine ähnliche Häufung von Robben-Totfunden. Damals blieb die Ursache für den Tod von mehr als 20 Kegelrobben im Greifswalder Bodden ungeklärt. Obwohl damals Schutzeinrichtungen für Reusen vorgeschrieben worden waren, führten Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen einen Fischer 2018 nicht zur Anklage.

Anzeigen und Konsequenzen

Nach der Todesserie 2024 erstatteten das Deutsche Meeresmuseum, das Biosphärenreservat Südost-Rügen und die Organisation Sea Shepherd Anzeige gegen Unbekannt. Die aktuellen Strafbefehle zeigen, dass die Behörden nun konsequenter gegen Verstöße vorgehen.

Der Fall unterstreicht die anhaltenden Spannungen zwischen traditioneller Fischerei und dem Schutz bedrohter Meeressäuger in der Ostsee. Die neuen Schutzvorschriften sollen künftig verhindern, dass sich solche tragischen Vorfälle wiederholen.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration