Strenger Winter setzt Mäusebussarden in der Prignitz schwer zu
Der anhaltend kalte Winter mit seinen frostigen Temperaturen und dem daraus resultierenden Futtermangel stellt für Mäusebussarde in der Region Prignitz eine ernste Gefahr dar. Die Falknerin Martina Burgold aus Lenzen hat in den vergangenen Wochen bereits vier geschwächte Exemplare des Raubvogels aufgenommen, von denen jedoch nur zwei überlebten. Die meisten der Tiere litten an schwerer Unterernährung, die sie in akute Lebensgefahr brachte.
Erschöpfte Vögel können nicht mehr fliegen
Am 15. Januar erhielt Burgold einen besorgniserregenden Anruf aus Wüsten Vahrnow im Amt Putlitz-Berge. Ein Mäusebussard hatte sich seit zwei Tagen bei kaltem Regen in einem Garten aufgehalten, ohne sich wesentlich zu bewegen. „Wir konnten den Vogel problemlos einfangen und mit in die Falknerei nehmen“, berichtet die Expertin. Die Diagnose war schnell gestellt: Kälte und vor allem der akute Futtermangel hatten dem Greifvogel stark zugesetzt.
„Durch das fehlende Futter bildet sich die Brustmuskulatur zurück“, erklärt Burgold das zentrale Problem. „Die Folge ist dramatisch: Dem Vogel fehlt die Kraft zum Fliegen und somit zum Jagen.“ Ein unterernährter Mäusebussard verliere rapide an Gewicht, und ohne schnellen Wetterwechsel ende dies häufig in einer Notsituation.
Wann benötigen Greifvögel menschliche Hilfe?
Die Falknerin gibt wichtige Hinweise, wie Laien erkennen können, ob ein Vogel tatsächlich in Not ist. „Gerade im Winter sollte man Vögel nicht unnötig aufschrecken“, betont Burgold. „Jeder Flug kostet eine Menge Energie, deren Verlust zu einer lebensbedrohenden Situation führen kann.“
Erst wenn ein Vogel stundenlang im selben Bereich verharrt und auch bei Annäherung nicht wegfliegt, seien dies deutliche Anzeichen für eine Notsituation. In solchen Fällen benötige das Tier dringend professionelle Hilfe.
Aggressives Verhalten als Zeichen der Genesung
In ihrer Falknerei versorgt Burgold die geschwächten Mäusebussarde mit spezieller Nahrung wie Küken und kleinen Mäusen, um sie wieder zu Kräften kommen zu lassen. Der erste gerettete Bussard aus Wüsten Vahrnow hat diesen Prozess erfolgreich durchlaufen – mit einem unerwarteten Nebeneffekt. Statt Dankbarkeit zeigt der wiedererstarkte Vogel nun aggressives Verhalten gegenüber seiner Retterin.
„Wir wollten ihn schon wieder in die Freiheit entlassen, aber dann kam eine erneute Kaltfront“, berichtet die Falknerin. „Ich päpple doch nicht so einen Bussard auf, damit er anschließend Selbstmord begeht.“ Die Fütterung des genesenen Vogels erfolgt daher nur noch mit speziellem Sicherheitshandschuh.
Bittere Bilanz: Nur zwei von vier Vögeln überlebten
Die Rettungsaktionen der letzten Wochen zeigen eine ernüchternde Statistik. Drei Tage nach dem ersten Bussard traf ein zweites Exemplar aus Boberow bei Karstädt ein, das nur noch 370 Gramm wog – bei einer normalen Größe von etwa 53 Zentimetern und einem Gewicht zwischen 650 und 900 Gramm. „Der war so geschwächt, dass er gleich am ersten Tag starb“, bedauert Burgold.
Ein weiterer Mäusebussard, der am 1. Februar von einer überfüllten Tierauffangstation in Lüneburg gebracht wurde, überlebte ebenfalls nicht. Hier vermutet die Falknerin jedoch eine andere Todesursache: „Ich habe die Vermutung, dass dieser Bussard sich vergiftet hat“, kritisiert Burgold. „Das kommt unter anderem daher, wenn man Mäuse und Ratten mit Gift bekämpft, anstatt Fallen aufzustellen.“
In Zeiten knappen Nahrungsangebots fräßen Greifvögel alles, was sie finden könnten – leider auch vergiftete Mäuse.
Letzte Rettung für stark unterernährten Bussard
Am vergangenen Sonntag gegen 15 Uhr erreichte Burgold erneut ein Notruf wegen eines geschwächten Mäusebussards. Zusammen mit ihrem Mann Jürgen rückte sie aus und fand auf einem Feld in Boberow einen Vogel, der sich aufgrund seiner Schwäche problemlos einfangen ließ. „Auch dieser Bussard ist stark unterernährt“, schildert die Falknerin. „Er wog anfangs nur noch 436 Gramm.“
Bei der Untersuchung zeigte sich das volle Ausmaß der Unterernährung: Das Brustbein stach förmlich aus dem Oberkörper hervor, da die seitlichen Muskeln, die für den Flug essentiell sind, stark zurückgebildet waren. Bei einem gesunden Vogel würden diese Muskeln das Brustbein einbetten, sodass es kaum zu spüren sei.
Der geschwächte Bussard ließ alles über sich ergehen – ohne Abwehrverhalten oder Aggressivität. Doch Burgold ist optimistisch: „In zwei, drei Tagen sieht das wieder anders aus. Da ist er wieder etwas gestärkt, und man kann ihn nicht mehr so einfach anfassen.“



