Wolf verändert Rotwild-Verhalten: Großrudelbildung führt zu massiven Wildschäden in Mecklenburg
Wolf verändert Rotwild: Großrudel führen zu Wildschäden

Wolf verändert Rotwild-Verhalten: Großrudelbildung führt zu massiven Wildschäden in Mecklenburg

Die Rückkehr des Wolfes nach Mecklenburg hat tiefgreifende Folgen für die heimische Tierwelt und die Landwirtschaft. Wie die Rotwild-Hegegemeinschaft Bützow bei ihrer Jahresbilanz im Kulturhaus Warnow deutlich machte, rottet sich das Rotwild seit dem Auftauchen des Raubtieres instinktiv zu Großrudeln zusammen, um sich besser zu schützen. Diese Verhaltensänderung stellt Jäger und Landwirte vor immense Herausforderungen.

Rotwildbestand verdoppelt – Schäden explodieren

Die auf einer Trophäenwand präsentierten Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: In den vergangenen sechs Jahren hat sich der Rotwildbestand im rund 48.000 Hektar großen Einzugsbereich der Hegegemeinschaft Bützow verdoppelt. „Hier wurden allein 225 Stück Rotwild erlegt, im Hegering Baumgarten 76. Insgesamt in der Hegegemeinschaft 327“, berichtete Hegeringsvorsitzender Hermann von Blomberg. Besonders konzentriert sich das Wild im Nordbereich südlich der A20 in der Region Jürgenshagen, Moisall, Bernitt bis nach Hohen Luckow und Groß Belitz.

Die Konsequenz dieses rasanten Zuwachses sind drastisch gestiegene Wildschäden auf Feldern und in Wäldern. Axel Wichmann, Landwirt und Betriebsleiter der Agrargenossenschaft Selow, kennt das Problem aus erster Hand: „Unser Landwirtschaftsbetrieb deckt ein großes Gebiet ab, wo auch das Rotwild zu Hause ist. Bei uns ist sogar die Kinderstube des Rotwilds, weil das Gebiet geschützt und ruhig ist. Wir bauen Kartoffeln, Mais, Futter- und Zuckerrüben an – das Rotwild findet immer etwas.“ Von den jährlichen Schäden für seinen Betrieb will er gar nicht erst reden.

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Großrudel erschweren Jagd und verursachen hohe Kosten

Hermann von Blomberg beziffert die Wildschäden der Landwirte in der Region auf zehn- bis zwanzigtausend Euro pro Jahr. „Und die sind schnell gemacht im Feld. Erst recht, wenn das Rotwild in großen Rudeln in die Felder und in die Wälder zieht“, erklärt der Experte. Die durch den Wolf verstärkte Großrudelbildung erschwert nicht nur dem Raubtier das Jagen, sondern auch dem Jäger das gezielte Entnehmen einzelner Tiere.

Um dieser Entwicklung Herr zu werden, fordert von Blomberg einen Reduktionsabschuss, der sich gezielt auf weibliches Rotwild konzentriert. Seine Begründung: „Wenn wir 2026 100 Hirsche haben, haben wir 2027 immer noch 100 Hirsche. Haben wir aber 2026 100 Alttiere weibliches Rotwild mit Kälbern, dann haben wir 2027 200 Alttiere plus Kälber. Deshalb kann nur ein Eingriff in den weiblichen Rotwildbestand den Gesamtbestand reduzieren.“ Dies stellt die Jäger vor ein ethisches Dilemma, da dabei der Mutterschutz bei Alttieren und Kälbern berücksichtigt werden muss.

Moderne Technik rettet Wildtiere

Ein Hoffnungsschimmer im Umgang mit der Wildtierproblematik kommt aus der Technik: Drohnen haben sich bei vielen Landwirten bereits fest etabliert, um frisch gesetzte Kälber in Wiesen und Feldern vor dem Mähtod zu bewahren. Vor dem Einsatz der Mähmaschinen werden Flächen systematisch abgeflogen. Ulrich Constien vom Landwirtschaftsbetrieb Klein Sein konnte durch seine Drohneneinsätze im vergangenen Jahr 25 Rehkitze und vier Rotwildkälber retten.

Generationenwechsel in der Hegegemeinschaft

Neben den fachlichen Herausforderungen stand bei der Jahresversammlung auch ein emotionaler Abschied auf dem Programm: Zwei langjährige Vorstandsmitglieder wurden verabschiedet. Jens Schröder hatte acht Jahre lang im Vorstand mitgearbeitet, zuletzt als Kassenwart. Reinhard Dellin gehörte dem Gremium sogar seit der Gründung der Hegegemeinschaft vor 33 Jahren an. „Er hat in dieser Zeit alles im Vorstand gemacht und ist eigentlich nicht aus ihm wegzudenken“, würdigte von Blomberg dessen Engagement. Die Nachfolge treten Bärbel Knobloch und Matthias Gaude an.

Die Veranstaltung wurde traditionell von der Jagdhornbläsergruppe Steintanz-Warnowtal musikalisch umrahmt – ein Zeichen dafür, dass trotz aller modernen Herausforderungen die jagdliche Tradition in der Region lebendig bleibt.

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