Wolfsangriff in Adamsdorf: Seltenes Fohlen getötet - Züchter verzweifelt über Artenschutz
Wolfsangriff tötet seltenes Fohlen - Züchter verzweifelt

Wolfsangriff in Adamsdorf: Seltenes Fohlen einer bedrohten Rasse getötet

In der Gemeinde Adamsdorf nordwestlich von Neustrelitz hat sich ein tragischer Vorfall ereignet, der die Diskussion um das Wolfsmanagement erneut entfacht. Auf einer Pferdeweide wurde ein gerade erst einen Tag altes Fohlen mutmaßlich von einem Wolf getötet. Übrig blieben lediglich ein sauber abgenagter Torso und der Kopf des Jungtieres. Die Mutterstute konnte ihren Nachwuchs nicht vor dem Angriff schützen.

Bedrohte Nutztierrasse betroffen

Besonders tragisch ist die Tatsache, dass es sich bei dem getöteten Fohlen um ein Tier der Schleswiger Kaltblut-Rasse handelt, die auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Nutztierrassen steht. In ganz Europa existieren nur noch etwa 500 Tiere dieser seltenen Pferderasse. Jedes neugeborene Fohlen stellt daher einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der genetischen Vielfalt dar.

Der Besitzer des getöteten Tieres, Tierarzt Dr. Frank Dieffenbacher, zeigt sich tief betroffen und sicher, dass ein Wolf für den Angriff verantwortlich ist. „Die Rissgutachterin aus Waren war schnell vor Ort, um Proben zu entnehmen“, erklärt er. Diese Proben wurden zur genetischen Analyse eingeschickt, um nicht nur die Täterschaft des Wolfes zu bestätigen, sondern auch möglicherweise ein spezifisches Rudel zu identifizieren.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Züchter erwägt Ende der seltenen Zucht

In der Region um Adamsdorf soll ein Wolfsrudel mit etwa zehn Tieren sesshaft sein. Für Dr. Dieffenbacher stellt dies eine existenzielle Bedrohung für seine Zuchtbemühungen dar. „Man gibt sich Mühe und macht und tut und baut Zäune, doch ich züchte nicht, um den Wolf zu versorgen“, bringt der verzweifelte Tierarzt seine Frustration auf den Punkt.

Der emotionale Schaden wird durch praktische Schwierigkeiten verstärkt. Der Züchter macht sich keine großen Hoffnungen auf Entschädigungszahlungen, da er bei Kollegen mit Schaf- und Ziegenzucht bereits Erfahrungen mit abgewiesenen Ansprüchen sammeln musste. Diese Kombination aus emotionalem Verlust und finanzieller Unsicherheit führt ihn zu einer schwerwiegenden Überlegung: die Einstellung der Zucht der seltenen Schleswiger Kaltblut-Pferde.

Zunehmende Wolfsaktivitäten in der Region

Der Vorfall in Adamsdorf ist kein Einzelfall in der Strelitzer Region. Bereits Anfang März verlor Schäfer Mathias Mackedanz bei Usadel 21 trächtige Mutterschafe durch einen Wolfsangriff. Bemerkenswert ist dabei der Ort des Geschehens: Die Tiere wurden nicht auf offener Weide, sondern in einer ehemaligen LPG-Halle getötet, die von vier Wänden und einem Dach umgeben war und deren Tore mit Viehgittern versperrt waren.

Weitere Sichtungen belegen die zunehmende Präsenz der Raubtiere in besiedelten Gebieten. So wurde in der Feldberger Seenlandschaft ein Wolf seelenruhig durch eine Wohnhaussiedlung streifend beobachtet, gesichtet zwischen Turnhalle und Hans-Fallada-Siedlung.

Wissenschaftliche Untersuchungen laufen

Die genetischen Proben aus dem aktuellen Fall werden im Senckenberg Forschungsinstitut Frankfurt am Standort Gelnhausen untersucht. Dort befindet sich das Referenzlabor für genetische Untersuchungen an Wolf und Luchs in Deutschland. Die Analysemethoden umfassen Speichelabstriche aus den vom Wolf zugefügten Wunden, die eine eindeutige Identifizierung des verantwortlichen Tieres ermöglichen.

Einige Tierhalter, die ihre Nutztiere durch Wolfsangriffe verloren haben, schicken die Kadaver zusätzlich an das Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LALLF), um veterinärpathologische Untersuchungen durchführen zu lassen und der genauen Todesursache auf die Spur zu kommen.

Dr. Dieffenbacher weist auf ein grundlegendes Problem hin: „Da die Wildpopulation abnimmt, orientieren sich die Wölfe immer mehr in Richtung Haus- und Nutztiere als Futterquelle“. Diese Entwicklung stellt insbesondere Züchter seltener und bedrohter Tierrassen vor existenzielle Herausforderungen, die über den Verlust einzelner Tiere hinausgehen und den Artenschutz insgesamt gefährden können.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration