Während viele Menschen am Sonnabendmorgen noch schliefen, begann bereits kurz nach fünf Uhr der Tag für sechs Helfer auf Wiesenflächen der Region zwischen Röbel und Malchow. Der Blick richtete sich dabei zunächst nicht auf den Sonnenaufgang, sondern auf einen Bildschirm. Am Rand der Fläche standen die Beteiligten beieinander und beobachteten aufmerksam die Bilder einer Drohne mit Wärmebildkamera, die langsam ihre Bahnen über die Wiesen zog.
Drohne hilft, Rehkitze vor Mäharbeiten zu sichern
Initiiert wird die Aktion seit inzwischen fünf Jahren von Lars Mahncke. „Ziel ist es, Rehkitze auf den Flächen vor den anstehenden Mäharbeiten zu finden und zu sichern“, erklärte er dem Nordkurier. Unterstützt wird das Team dabei durch moderne Technik: Die eingesetzte Wärmebilddrohne wurde über den Jagdverband Müritz angeschafft und ermöglicht eine präzise Suche selbst auf größeren Flächen.
Warum die Einsätze bereits in den frühen Morgenstunden beginnen, erklärte Mahncke direkt vor Ort: „Je kühler der Boden ist, desto besser funktioniert die Wärmebildtechnik.“ Mit zunehmender Sonneneinstrahlung erwärmt sich der Boden, und das erschwert die Suche. Selbst kleinere Bodenstrukturen wie Maulwurfshaufen würden auf den Wärmebildern später hell dargestellt und könnten Funde verhindern oder verfälschen.
Die ersten beiden Flächen blieben zunächst ohne zu sichernde Rehkitze. Für die Helfer war das keine Enttäuschung – im Gegenteil. Denn wenn keine Kitze auf einer Fläche liegen, bedeutet das am Ende auch weniger Aufwand für alle Beteiligten.
Rettung bei nur vier Grad und kalten Füßen
Erst auf einer weiteren Fläche mit Ackergras und Luzerne erschienen schließlich weiße Flecken auf dem Bildschirm. Sofort änderte sich die Stimmung am Feldrand. Während zuvor noch konzentriert auf den Monitor geschaut wurde, griffen nun einige Helfer zu Körben und Markierungsstangen und machten sich auf den Weg in die Fläche.
Vom Rand aus wirkte der Gang durch die Wiese zunächst unkompliziert. Schnell zeigte sich jedoch, wie viel Feuchtigkeit auf den Pflanzen lag. Der Morgentau hatte das hohe Gras vollständig durchnässt. Schon nach wenigen Metern waren die Hosenbeine und Stiefel nass – selbst kniehohe Gummistiefel boten dabei nur begrenzten Schutz. Bei gerade einmal vier Grad sorgte der kühle Morgen zusätzlich für kalte Füße. Doch der Aufwand lohnte sich: Sieben Kitze konnten auf der Fläche ausfindig gemacht werden.
Rehkitze besitzen einen natürlichen Schutzmechanismus
Früher wurden Rehkitze häufig mit Handschuhen aus den Flächen getragen und nach den Arbeiten wieder zurückgesetzt. Davon ist man heute weitgehend abgekommen. Stattdessen werden die Jungtiere mit Körben gesichert und zusätzlich mit Stangen sowie Flatterbändern markiert. So können Landwirte die Stellen bei den späteren Arbeiten gezielt umfahren und die Tiere verbleiben in ihrer gewohnten Umgebung.
Doch warum ist dieser Aufwand überhaupt notwendig? Rehkitze besitzen in ihren ersten Lebenswochen einen natürlichen Schutzmechanismus. Statt bei Gefahr zu fliehen, verharren sie regungslos im hohen Gras. Die Mutter legt ihre Jungen häufig in Wiesen oder dichtem Bewuchs ab und kehrt nur zum Säugen zurück. Durch den angeborenen Schutzmechanismus bleiben die Tiere selbst dann ruhig liegen, wenn sich Menschen oder Maschinen nähern. Darum sind die Tiere jedoch während der Mähsaison besonders gefährdet.
Jeder kann mithelfen
Die sechs Helfer am Sonnabendmorgen waren nicht ausschließlich Jäger. Drei von ihnen hatten keinen jagdlichen Hintergrund und engagierten sich ebenso freiwillig wie die beteiligten Jäger. Auch diese waren nicht in ihren eigenen Revieren unterwegs, sondern unterstützten die Aktion aus freien Stücken. Vorkenntnisse seien dafür nicht notwendig, erklärte Mahncke. Über weitere freiwillige Helfer würde sich Mahncke freuen. Interessierte erreichen Lars Mahncke unter der Telefonnummer 0172 3814189.
Als die Sonne inzwischen deutlich höher über den Horizont gestiegen war, lagen bereits mehrere Stunden Einsatz hinter den Helfern. Zwischen Wärmebildkamera, Körben und taunassen Wiesen zeigte sich an diesem Morgen, wie moderne Technik, Landwirtschaft und ehrenamtliches Engagement erfolgreich Hand in Hand arbeiten, um Wildtiere frühzeitig zu finden und ihre Fundorte zu sichern.



