Künstliche Riffe aus dem 3D-Drucker: Eine Hoffnung für die Meere
Was wie eine Unterwasser-Legolandschaft aussieht, könnte die Rettung für ganze Ökosysteme bedeuten. In Zürich hat das Start-up Rrreefs eine innovative Methode entwickelt, um zerstörte Korallenriffe wiederaufzubauen. Dabei kommen speziell designte, 3D-gedruckte Tonmodule zum Einsatz, die wie Bausteine unter Wasser gestapelt werden.
Wie die künstlichen Riffe funktionieren
Die braunen Tonsteine greifen ineinander und bilden stabile Strukturen, die den natürlichen Meeresboden ersetzen sollen. Genau in diesen künstlichen Formationen finden Korallenlarven neuen Halt, um zu wachsen und wieder Leben zu ermöglichen. Erste Projekte des Unternehmens laufen bereits vor Küsten in Asien und Südamerika, wo sich nach Angaben von Rrreefs tatsächlich wieder Korallen und Fische angesiedelt haben.
Die Gründerinnen Dr. Ulrike Pfreundt (Co-CEO), Josephine Graf (Co-CEO), Hanna Kuhfuss (CFO) und Marie Griesmar (COO) setzen dabei auf ein simples, aber effektives Prinzip. Die Module werden in flachem, lichtdurchflutetem Wasser platziert – genau dort, wo natürliche Korallenriffe normalerweise entstehen.
Die dramatische Ausgangslage
Der Hintergrund dieser Entwicklung ist alarmierend. Laut dem Weltklimarat könnten bei einer Erderwärmung von 1,5 Grad bis zu neunzig Prozent der Korallenriffe sterben. Bei zwei Grad Erwärmung droht ein fast vollständiges Verschwinden dieser einzigartigen Lebensräume. Obwohl Korallenriffe weniger als ein Prozent des Meeresbodens bedecken, sind sie Lebensraum für rund ein Viertel aller Meeresarten und sichern laut UN den Lebensunterhalt von Hunderten Millionen Menschen.
Herausforderungen und Kosten
Doch so vielversprechend die Idee klingt, sie ist mit erheblichen Herausforderungen verbunden. Ein einzelner 3D-gedruckter Tonstein kostet rund 164 Euro. Für kleine Flächen summieren sich die Kosten schnell auf zehntausende Euro. Bislang umfassen selbst die größten Projekte nur wenige hundert Quadratmeter – während natürliche Korallenriffe weltweit riesige Gebiete bedecken.
Wissenschaftler betrachten den Ansatz deshalb differenziert. Künstliche Riffe könnten zwar helfen, lokal zerstörte Strukturen wiederaufzubauen, etwa nach Stürmen oder durch Dynamitfischerei. An die komplexe Vielfalt und ökologische Funktion natürlicher Riffe kommen sie jedoch kaum heran.
Die Bedeutung von Korallenriffen
Wie effektiv die künstlichen Riffe langfristig sein werden, hängt maßgeblich vom Fortschreiten des Klimawandels ab. Die Methode des Zürcher Start-ups zeigt jedoch, dass innovative Technologien im Kampf gegen das Artensterben eine wichtige Rolle spielen können. Nur wenn solche Ansätze im großen Maßstab funktionieren und finanziert werden können, haben sie das Potenzial, die Meere wirklich zu schützen.
Zwischen den 3D-gedruckten Tonmodulen kehrt bereits jetzt Leben zurück: Fische nutzen die Strukturen als Unterschlupf, und erste Korallen beginnen zu wachsen. Ein kleiner Hoffnungsschimmer in einer ansonsten düsteren Prognose für die marinen Ökosysteme unserer Erde.



