Angler in Ueckermünde kämpfen gegen massives Fischsterben in zugefrorenen Gewässern
Die anhaltenden frostigen Temperaturen der vergangenen Wochen haben in der Region Ueckermünde zu einer dramatischen Situation geführt. Auf den Seen und Torfstichen haben sich dicke Eisschichten gebildet, die nun zu einem verheerenden Fischsterben führen. Der Regionalanglerverband (RAV) Ueckermünde ist in höchster Alarmbereitschaft und hat bereits Notmaßnahmen eingeleitet.
Besorgniserregende Entdeckungen unter dem Eis
Bei einer Besichtigung der Gewässer bei Grambin machten der Vorsitzende Olaf Tott und Vorstandsmitglied Heiko Freimuth eine schockierende Entdeckung. Unter der dicken Eisschicht fanden sie zahlreiche tote Fische, darunter allein etwa 20 Hechte mit einer Länge von 70 bis 80 Zentimetern. Viele Tiere waren sogar direkt in das Eis eingefroren. „Die schwammen tot unter dem Eis oder waren in das Eis eingefroren“, berichtete Tott nach der Untersuchung.
Die flachen Gewässer bei Grambin mit einer Tiefe von nur etwa einem Meter sind besonders betroffen. Durch die geschlossene Eisdecke und die darunter entstehenden Faulgase erhalten die Fische nicht mehr genug Sauerstoff. Olaf Tott geht davon aus, dass die Gewässer bereits „gekippt“ sind, also der Sauerstoffgehalt so stark gesunken ist, dass ein Überleben für viele Arten unmöglich wurde.
Notfallaktionen zur Rettung der verbliebenen Fische
Um die verbliebenen Fische zu retten, starteten die Angler in Grambin und Luckow vor einigen Tagen dringende Arbeitseinsätze. Mit elektrischen Motorsägen schnitten sie etwa zwei mal zwei Meter große Löcher in die dicke Eisschicht. „Es habe richtig geblubbert und gestunken, als die Faulgase aus den Eislöchern entwichen“, schilderte Tott die Situation. Dies sei ein deutliches Zeichen für die Dringlichkeit der Maßnahmen gewesen.
Die Löcher wurden anschließend mit Strohballen gefüllt, damit die Gewässer durch die Halme „atmen“ können und der Gasaustausch ermöglicht wird. Die Bereiche wurden mit rot-weißen Bändern abgesichert. Heiko Freimuth ergänzte, dass in vielen flachen Gewässern auch die Schilfgürtel fehlen, die normalerweise einen gewissen Gasaustausch ermöglichen würden.
Ursachen und regionale Unterschiede
Die Hauptursache für das Fischsterben ist der Sauerstoffmangel unter der geschlossenen Eisdecke. Durch das dicke Eis und eine zusätzliche Schneeschicht kommt die Photosynthese im Wasser praktisch zum Erliegen. Wasserpflanzen produzieren nicht mehr ausreichend Sauerstoff, während Kohlendioxid und Schwefelwasserstoff nicht mehr entweichen können. Studien zufolge kann es bereits nach 35 bis 55 Tagen geschlossener Eisdecke zu einem massiven Fischsterben kommen.
Nicht alle Gewässer der Region sind gleichermaßen betroffen. An den RAV-Gewässern bei Eggesin, die vier bis fünf Meter tief sind, waren solche Notmaßnahmen nicht notwendig. Hier gibt es am Grund noch ausreichend Sauerstoff. In Rochow und Liepgarten wurden vorsorglich Löcher ins Eis geschnitten, während in Altwigshagen ohnehin ein Loch benötigt wurde, da die traditionellen Eisbader ihre jährliche Badeaktion starteten.
Ausblick und weitere Maßnahmen
Trotz aller Rettungsbemühungen geht Olaf Tott davon aus, dass die Angler in Grambin und möglicherweise auch an anderen Gewässern des RAV Ueckermünde bald viele tote Fische wegsammeln müssen. „Das gesamte Ausmaß des Fischsterbens wird erst sichtbar, wenn das Eis komplett weggetaut ist“, erklärte der Verbandsvorsitzende. Dennoch betonte er: „Wenn wir nur zehn Prozent der Fische gerettet haben, dann haben wir etwas gekonnt.“
Die Situation bleibt angespannt, und die Angler bereiten sich auf weitere Einsätze vor, um die verbliebenen Fischbestände in der Region Ueckermünde zu schützen. Die eisigen Temperaturen der vergangenen Wochen haben deutlich gemacht, wie empfindlich flache Gewässer auf längere Frostperioden reagieren können.



