Nachhaltiger Fischkauf: So erkennen Sie umweltfreundlichen Fisch im Handel
Nachhaltiger Fischkauf: Tipps für umweltfreundlichen Genuss

Nachhaltiger Fischkauf: So erkennen Sie umweltfreundlichen Fisch im Handel

Ob als Delikatesse, gesunde Alternative zu Fleisch oder traditionell an Karfreitag: Fisch erfreut sich in Deutschland großer Beliebtheit. Doch der Genuss von Fisch wirft wichtige Fragen auf. Wie können Verbraucherinnen und Verbraucher sicherstellen, dass ihr Fischkonsum nicht zur Überfischung der Meere beiträgt? Worauf sollte man beim Einkauf konkret achten, um Fischbestände und marine Ökosysteme zu schützen?

Die aktuelle Situation: Bedrohte Fischbestände weltweit

In Deutschland verzehrt jeder Mensch durchschnittlich etwa 12,8 Kilogramm Fisch pro Jahr. Fisch liefert wertvolle Omega-3-Fettsäuren und Seefisch enthält wichtiges Jod. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt daher, ein- bis zweimal wöchentlich Fisch zu essen. Doch die Realität sieht ernüchternd aus: Knapp 40 Prozent der weltweiten Fischbestände gelten als überfischt. Zudem zerstören bestimmte Fangmethoden sensible Meeresökosysteme nachhaltig.

„Bei vielen beliebten Speisefischen wie Lachs, Thunfisch oder Forelle müssen sich Verbraucher aktiv informieren, welcher Fisch nachhaltig gefangen wurde und somit noch in Ordnung ist“, erklärt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. Die Herausforderung besteht darin, im oft unübersichtlichen Angebot die richtige Wahl zu treffen.

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Erste Orientierung: Diese Fische sind empfehlenswert

Für den schnellen Überblick beim Einkauf bietet sich eine einfache Einteilung an. Folgende Fische können Verbraucher laut Expertenmeinung bedenkenlos kaufen:

  • Regionale Plattfische wie Scholle, Flunder oder Kliesche aus der Ostsee
  • Miesmuscheln aus Leinenkultur
  • Echter Bonito und Weißer Thun aus bestimmten Fanggebieten, besonders empfehlenswert aus dem westlichen und mittleren Pazifik mit Hand- oder Angelleinen gefangen
  • Ketalachs und Rotlachs aus Alaska
  • Ostsee-Heringe aus dem Golf von Riga

Diese Angaben stammen aus der sogenannten „Guter Fisch“-Liste, die insgesamt 14 empfehlenswerte Wildfischarten aufführt. Die Liste wird jährlich im Dezember aktualisiert und von einem breiten Bündnis aus WWF, Nabu, Deutscher Umwelthilfe, Verbraucherzentrale und dem Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung herausgegeben.

Wichtige Details: Fanggebiet und Fangmethode beachten

Bei Wildfischen sind meist nicht komplette Fischarten, sondern spezifische Bestände in bestimmten Gebieten von Überfischung betroffen. Daher sollten Verbraucher beim Kauf darauf achten, dass die Angaben aus der Liste genau übereinstimmen – und zwar in drei Punkten: der Fischart, dem Fanggebiet und der Fangmethode.

„Frischer Fisch in Deutschland muss entsprechend gekennzeichnet sein“, betont Valet. Diese Kennzeichnungspflicht gilt auch für Räucherfisch, Tiefkühlprodukte sowie Krebs- und Weichtiere. Verarbeitete Produkte wie Fischsuppe oder Fischfrikadellen sind hingegen von dieser Pflicht ausgenommen.

Kritische Fangmethoden: Grundschleppnetze vermeiden

Besonders problematisch sind Grundschleppnetze. „Diese Netze pflügen den Meeresboden um und zerstören dadurch ganze Ökosysteme“, warnt Valet. Zudem sei der Beifang bei dieser Methode sehr hoch – kleine oder junge Fische werden unnötigerweise mitgefangen. Dennoch werden diese Netze teilweise sogar in Meeresschutzgebieten weiter eingesetzt.

Empfehlenswerte Fangmethoden sind dagegen Reusen oder Fallen. Auch Handleinen oder Angelleinen gelten als nachhaltig, etwa beim Thunfischfang.

Diese Fischarten sollten vermieden werden

Für einen verantwortungsvollen Fischkonsum sollten bestimmte Arten gemieden werden. Nicht mehr auf der „Guter Fisch“-Liste und daher nicht empfehlenswert sind unter anderem:

  • Dorsch (Kabeljau) aus der Ostsee
  • Makrelen aus der Nordsee
  • tropische Garnelen aus Wildfang
  • Granatbarsch

Als tabu gelten laut Valet zudem weltweit bedrohte Arten wie Aal, Hai (besonders Dornhai, bekannt als „Schillerlocke“) und Rochen.

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Aquakulturen: Nicht automatisch nachhaltig

Viele Verbraucher fragen sich, ob Fisch aus Aquakulturen eine bessere Alternative zum Wildfang darstellt. „Ganz so einfach ist es leider nicht“, erklärt Verbraucherschützer Valet. „In Aquakulturen werden oft Raubfische wie Lachs oder Forellen gehalten. Diese benötigen viel Nahrung in Form von Fischmehl und Fischöl, das wiederum aus dem Meer stammt.“ Damit sei also nichts gewonnen.

Eine Ausnahme bildet der Karpfen aus der Zucht. „Karpfen sind Friedfische und geben sich mit pflanzlicher Nahrung und Würmern zufrieden“, so Valet. Allerdings kommen in Aquakulturen teilweise Chemikalien und Medikamente zum Einsatz, die die Umwelt belasten. Daher rät der Experte zu Bio-Fisch: „Die Bestände sind hier meist kleiner, der Einsatz von Antibiotika stark eingeschränkt und es darf kein gentechnisch verändertes Soja gefüttert werden.“

Siegel als Orientierungshilfe – mit Einschränkungen

Zertifizierungen können beim Einkauf Orientierung bieten. Bei Aquakulturen sticht das EU-Bio-Siegel besonders positiv hervor. Zudem gibt es das ASC-Siegel (Aquaculture Stewardship Council). Für Wildfang existiert analog das MSC-Siegel (Marine Stewardship Council).

„Fischprodukte mit diesen Siegeln sind auf jeden Fall besser als ohne“, sagt Valet. „Allerdings gibt es immer wieder berechtigte Kritik an schwachen Nachhaltigkeitskriterien.“ Es komme auf Details an, etwa die konkrete Fangmethode und die Mengen. Daher sollte man den Siegeln nicht blind vertrauen. Weitere Informationen finden Verbraucher bei der Verbraucherzentrale, beim Nabu sowie der Stiftung Warentest.

Praktische Tipps für den Alltag

Wer sich unsicher ist oder sich nicht mit Details beschäftigen möchte, kann im Fachhandel gezielt nach nachhaltig gefangenem Fisch fragen. Zudem sollten Verbraucher auf Fisch verzichten, der aus fernen Fanggebieten mit dem Flugzeug transportiert wurde. „Die Klimabilanz ist da einfach miserabel“, warnt Valet.

Für verarbeitete Fischprodukte bietet die Verbraucherzentrale Hamburg eine Händlerliste an. Die Verbraucherschützer haben bei bekannten Supermarktketten nachgefragt, welche Produkte die Vorgaben der „Guter Fisch“-Liste erfüllen.

Wer sich für Details zu Fischarten und Beständen interessiert, kann sich aktuell auf „Fischbestände-online“ informieren, einer Internetseite des Thünen-Instituts für Fischerei. Der WWF bietet zudem einen eigenen Fisch-Ratgeber und seit 2025 einen speziellen Sushi-Ratgeber an.