Trinkwasser-Alarm im Südharz: Nitrat-Grenzwert in Berga überschritten
Eine dringende Warnung erreicht Familien in Berga, Bösenrode und Rosperwenda: Kinder im Alter unter zwei Jahren sollten vorerst kein Trinkwasser aus der Leitung zu sich nehmen. Der Wasserverband Südharz hat auf seiner Internetseite mitgeteilt, dass der Grenzwert für Nitrat überschritten wurde. Diese besorgniserregende Feststellung hat unmittelbare Konsequenzen für die jüngsten Bewohner der Region.
Ersatzwasser und Kostenerstattung für betroffene Familien
Der Wasserverband reagiert prompt auf die Krise. Für die Kindertagesstätte „Thyraspatzen“ wird bis auf Weiteres Ersatzwasser zur Verfügung gestellt. Eltern mit Kindern unter zwei Jahren sind aufgefordert, für den Haushalt Wasser in einschlägigen Verkaufseinrichtungen zu besorgen. Wichtig ist dabei, dass sich auf den Flaschen der Aufdruck „Zur Zubereitung von Säuglingsnahrung geeignet“ befindet.
Der Zweckverband erstattet die belegbaren Kosten für dieses Ersatzwasser. Pro Kind und Tag werden 1,5 Liter übernommen. Voraussetzung für die Erstattung ist der Nachweis der Geburtsurkunde sowie die Vorlage der entsprechenden Rechnung. Diese Maßnahme soll finanzielle Härten für die betroffenen Familien abfedern.
Details zur Nitrat-Überschreitung und Überwachung
Verbandsgeschäftsführerin Jutta Parnieske-Pasterkamp erläutert die Hintergründe: „Die Probe mit dem erhöhten Nitratwert wurde am 17. Februar genommen. Dabei wurde ein Wert von 52,5 Milligramm pro Liter festgestellt.“ Laut Trinkwasserverordnung gelten 50 Milligramm je Liter als Grenzwert. Die Überschreitung ist somit klar dokumentiert.
Das zuständige Labor informierte den Verband am 23. Februar über die Ergebnisse. Der Verband leitete die Information umgehend an das Gesundheitsamt des Landkreises weiter. Auf Anordnung des Gesundheitsamtes muss nun die Versorgung der Kleinkinder bis zum Alter von zwei Jahren mit geeignetem Ersatzwasser sichergestellt werden. Der betroffene Brunnen wird vom Verband engmaschig überwacht, um weitere Entwicklungen genau im Blick zu behalten.
Gesundheitsrisiken für Säuglinge und regionale Einordnung
Das Umweltbundesamt warnt vor den spezifischen Gesundheitsrisiken für Säuglinge. Bei ihnen kann es zu einer Reduktion von Nitrat zu Nitrit kommen. Gelangt Nitrit ins Blut, wird der Blutfarbstoff Hämoglobin zu Methämoglobin oxidiert. Dieses kann jedoch keinen Sauerstoff binden, was die Sauerstoffaufnahme reduziert. Dieser Effekt ist als Säuglingszyanose oder „blue infant syndrome“ bekannt. Junge Säuglinge reagieren besonders empfindlich auf solche Belastungen.
Die aktuelle Überschreitung ist kein Einzelfall in der Region. Bei der vorherigen Beprobung am 1. April 2025 enthielt das Bergaer Trinkwasser bereits 42 Milligramm Nitrat je Liter. Laut Umweltbundesamt weisen etwa 16 Prozent der Messstellen des Grundwassermessnetzes in Deutschland Nitratkonzentrationen von über 50 Milligramm je Liter auf. Dies unterstreicht die bundesweite Relevanz des Themas.
Die Situation in Berga zeigt einmal mehr, wie wichtig eine kontinuierliche und transparente Überwachung der Trinkwasserqualität ist. Betroffene Familien sollten die Hinweise des Wasserverbandes ernst nehmen und die angebotenen Unterstützungsleistungen in Anspruch nehmen.



