Bahn und GDL setzen Tarifverhandlungen fort - Eskalation vorerst abgewendet
Bahn und GDL verhandeln weiter - Eskalation abgewendet

Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn: Verhandlungen gehen weiter

Im anhaltenden Tarifstreit zwischen der Deutschen Bahn und der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) ist eine akute Eskalation vorerst abgewendet worden. Nach intensiven Beratungen innerhalb der Gewerkschaftsgremien werden die Gespräche fortgesetzt, wie ein GDL-Sprecher bestätigte. Zuvor hatte die Gewerkschaft ein Scheitern der Verhandlungen nicht ausgeschlossen, nachdem die Bahn am Dienstag ihr erstes Angebot vorgelegt hatte.

Unterschiedliche Bewertungen des Bahn-Angebots

Das Verhandlungsangebot der Deutschen Bahn sieht insgesamt 6 Prozent mehr Geld für die Beschäftigten bei einer Tarifvertragslaufzeit von 30 Monaten vor. GDL-Chef Mario Reiß bezeichnete dieses Angebot am Dienstagnachmittag als „so niederschwellig“, dass die Kollegen es erst einmal „verdauen“ müssten. Im Kontrast dazu bewertete Bahn-Personalvorstand Martin Seiler das Angebot als „gut und sehr weitreichend“.

Die GDL fordert in den aktuellen Verhandlungen hingegen 8 Prozent mehr Geld für ihre Mitglieder bei einer deutlich kürzeren Laufzeit von nur 12 Monaten. Davon sollen 3,8 Prozent durch eine direkte Entgelterhöhung erreicht werden. Die weiteren Steigerungen plant die Gewerkschaft durch umfassende Umstrukturierungen im Tarifsystem zu erzielen, unter anderem durch die Einführung einer neuen Tarifstufe.

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Details des Bahn-Angebots und Einmalzahlung

Konkret sieht das Angebot der Deutschen Bahn eine Entgelterhöhung von 3,8 Prozent in zwei Stufen vor: 2 Prozent sollen zum 1. September dieses Jahres wirksam werden, gefolgt von weiteren 1,8 Prozent ein Jahr später. Die verbleibenden 2,2 Prozent sollen durch sogenannte Strukturanpassungen im Tarifsystem realisiert werden.

  • Einführung einer zusätzlichen Entgeltstufe
  • Gezielte Erhöhungen bei Entgelt und Zulagen für Beschäftigte im operativen Bereich
  • Eine Einmalzahlung in Höhe von 400 Euro für alle betroffenen Mitarbeiter

Tarifeinheitsgesetz als zentrales Verhandlungsthema

Ein weiterer wichtiger Verhandlungspunkt zwischen der Deutschen Bahn und der GDL ist das umstrittene Tarifeinheitsgesetz. Dieses Gesetz sieht grundsätzlich vor, dass in einem Betrieb nur die Tarifverträge derjenigen Gewerkschaft angewendet werden, die dort die Mehrheit der Mitglieder vertritt. Allerdings können Arbeitgeber und Gewerkschaften auch Ausnahmen von dieser Regel vereinbaren.

Die Deutsche Bahn hat der GDL nun genau eine solche Ausnahmeregelung vorgeschlagen, um einen jahrelangen Konflikt in dieser Frage beizulegen. Bisher kommen die Tarifverträge der GDL nur in 19 der rund 300 Betriebe der Deutschen Bahn zur Anwendung. Das bedeutet, dass GDL-Mitglieder in den übrigen Betrieben bisher nicht von den Tariferfolgen ihrer Gewerkschaft profitieren konnten. Durch das neue Verhandlungsangebot der Bahn könnte sich diese Situation zumindest bei einigen Tarifvertragsthemen ändern und die Reichweite der GDL-Tarifverträge erweitern.

Die Fortsetzung der Verhandlungen verhindert vorerst weitere Eskalationsstufen wie Warnstreiks oder Arbeitsniederlegungen. Beide Seiten bleiben jedoch unter erheblichem Druck, eine tragfähige Lösung zu finden, die die Interessen der Beschäftigten mit den betriebswirtschaftlichen Erfordernissen des Unternehmens in Einklang bringt.

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