Fachkräftelücke in Deutschland: Diese Berufe sind am stärksten betroffen
Der demografische Wandel hinterlässt in der deutschen Arbeitswelt tiefe Spuren. Eine aktuelle Analyse des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (Kofa) am Institut der deutschen Wirtschaft zeigt alarmierende Entwicklungen bei der Stellenbesetzung in bestimmten Berufsgruppen. Besonders dramatisch ist die Situation bei Fleischfachverkäufern, wo die Fachkräftelücke zuletzt stärker gewachsen ist als in jeder anderen Berufsgruppe.
Fleischfachverkäufer: Rekord bei unbesetzten Stellen
Im Jahr 2025 konnten in der Fleischfachverkäufer-Branche durchschnittlich 4.665 Stellen nicht mit qualifizierten Bewerbern besetzt werden. Dies entspricht einem Anstieg von gut 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr und markiert einen historischen Höchststand. „Das sind so viele unbesetzte Stellen wie nie zuvor in dieser Berufsgruppe“, betont Kofa-Experte Jurek Tiedemann.
Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig. Der demografische Wandel trifft diese Berufsgruppe besonders hart: Im Jahr 2024 war mehr als ein Drittel (38 Prozent) der Fleischfachverkäufer älter als 55 Jahre und steht damit kurz vor dem Ruhestand. Gleichzeitig fehlt es an Nachwuchs – die Beschäftigtenzahl sank zwischen 2017 und 2024 um beachtliche 19 Prozent.
Fleischfachverkäufer arbeiten überwiegend in Supermärkten und Metzgereien. Zu dieser Berufsgruppe zählen neben Fleisch- und Wurstwarenverkäufern auch Metzgereifachverkäufer, die alle mit den gleichen Herausforderungen konfrontiert sind.
Weitere Berufe mit dramatischer Entwicklung
Die Analyse des Kofa identifiziert weitere Berufsgruppen mit besorgniserregenden Entwicklungen:
- Erdbewegungsmaschinenführer: Bei Baggerfahrern und ähnlichen Berufen im Straßen- und Hochbau konnten 2025 mehr als 1.500 Stellen nicht besetzt werden – ein Anstieg von 38 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
- Steuerberater: Die Fachkräftelücke wuchs hier um knapp 27 Prozent auf insgesamt 2.318 unbesetzte Stellen.
Absolute Spitzenreiter: Bauelektrik und Altenpflege
Während die prozentualen Steigerungen in den genannten Berufen besonders hoch ausfallen, zeigen sich in absoluten Zahlen noch größere Engpässe:
- Bauelektrik: Mehr als 16.200 offene Stellen konnten 2025 nicht besetzt werden
- Altenpflege: Über 15.200 Stellen blieben unbesetzt
Gesamtsituation: Kein Grund zur Entwarnung
Insgesamt ist die Fachkräftelücke in Deutschland zwar kleiner geworden – mit mehr als 369.000 unbesetzten Stellen im Jahr 2025 liegt die Zahl knapp ein Viertel unter dem Vorjahreswert. Doch Ökonom Tiedemann warnt vor voreiliger Entwarnung: „Die wirtschaftliche Stagnation führt dazu, dass Unternehmen weniger Stellen ausschreiben und vakante Positionen aufgrund unsicherer Erwartungen nicht immer neu besetzen.“
Der Experte prognostiziert: Sollte die deutsche Wirtschaft wieder an Fahrt gewinnen, droht der Fachkräftemangel erneut deutlich zu wachsen. Die strukturellen Probleme – insbesondere der demografische Wandel und der fehlende Nachwuchs in bestimmten Berufen – bleiben bestehen und erfordern langfristige Lösungsstrategien.



