Studie enthüllt: Fast jeder zweite Langzeitarbeitslose sieht keinen Nutzen in Jobcenter-Terminen
Jobcenter-Termine bringen fast jedem Zweiten nichts

Fast jeder zweite Langzeitarbeitslose sieht keinen Nutzen in Jobcenter-Terminen

Eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung enthüllt eine ernüchternde Realität für Langzeitarbeitslose in Deutschland. Fast jedem zweiten Betroffenen bringen die regelmäßigen Termine im Jobcenter nach eigener Einschätzung keinerlei Vorteile. Die im März 2026 in Gütersloh vorgestellte Untersuchung zeigt, dass 47 Prozent der Befragten diese Besuche als nutzlos empfinden und keine Verbesserung ihrer Chancen auf dem Arbeitsmarkt erkennen können.

Hohe Zufriedenheit mit Mitarbeitern, aber geringe Vermittlungserfolge

Interessanterweise vergeben die Langzeitarbeitslosen durchaus gute Noten für die Arbeit der Jobcenter-Mitarbeiter. Mehr als zwei Drittel der Studienteilnehmer äußern sich zufrieden mit der Leistung ihrer zuständigen Einrichtung. Knapp drei Viertel halten die Angestellten für kompetent und fachlich versiert. Diese positive Bewertung steht jedoch in starkem Kontrast zur wahrgenommenen Wirksamkeit der Vermittlungsbemühungen.

Tobias Ortmann, Arbeitsmarktexperte der Bertelsmann Stiftung, kommentiert diese Diskrepanz deutlich: „Beratung und Vermittlung sind Kernaufgabe der Jobcenter. Vermittlungshemmnisse müssen abgebaut werden. Doch gerade bei Personen mit erschwertem Zugang zum Arbeitsmarkt kommen diese Aufgaben häufig zu kurz.“

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Vermittlungshemmnisse als zentrale Herausforderung

Die Studie identifiziert konkrete Hindernisse, die eine erfolgreiche Arbeitsvermittlung blockieren. Ganze 46 Prozent der Bürgergeldempfänger kämpfen mit mehreren Vermittlungshemmnissen gleichzeitig. Dazu zählen insbesondere:

  • Gesundheitliche Einschränkungen und Krankheiten
  • Fehlende oder veraltete Qualifikationen
  • Altersbedingte Nachteile auf dem Arbeitsmarkt
  • Sprachliche oder kulturelle Barrieren

Die Autoren der Studie fordern deshalb eine grundlegende Änderung des bisherigen Konzepts. Die Bertelsmann Stiftung spricht sich konkret für folgende Maßnahmen aus:

  1. Intensiviertes Coaching und individuelle Betreuung
  2. Gezielte Qualifizierungs- und Weiterbildungsangebote
  3. Konkrete Stellenangebote statt allgemeiner Vermittlungsversuche

Zufriedenheit allein ist kein Erfolgsindikator

Die Untersuchung macht deutlich, dass die gemessene Zufriedenheit der Arbeitslosen mit der Jobcenter-Betreuung kein verlässlicher Gradmesser für tatsächliche Vermittlungserfolge darstellt. Bei Langzeitarbeitslosen ohne wesentliche Vermittlungshemmnisse müsse laut den Studienautoren stärker eine eigenständige Jobaufnahme eingefordert werden.

Zwar könnte dies kurzfristig die Zufriedenheit mit der Betreuung beeinträchtigen, doch die Vermittlung in Arbeit müsse bei dieser Gruppe intensiviert werden. Die dann frei werdenden Kapazitäten der Jobcenter-Mitarbeiter könnten konsequent in die Betreuung der Arbeitslosen mit komplexen Vermittlungshemmnissen investiert werden.

Studienhintergrund und politischer Kontext

Für die repräsentative Studie wurden vom 15. April bis 18. Juni 2025 über 1.000 Arbeitslose im Alter zwischen 25 und 50 Jahren befragt. Alle Teilnehmer bezogen seit mindestens einem Jahr Bürgergeld und gehörten somit zur Gruppe der Langzeitarbeitslosen.

Die Veröffentlichung der Studie fällt in eine Zeit bedeutender arbeitsmarktpolitischer Veränderungen. Anfang März 2026 beschloss der Bundestag eine Reform der Grundsicherung, die ab dem 1. Juli desselben Jahres in Kraft tritt. Aus dem bisherigen Bürgergeld wird für rund 5,5 Millionen Bezieher eine neue Grundsicherung mit strengeren Regeln. Wer nicht aktiv mitwirkt, muss empfindliche Kürzungen bei den Sozialleistungen hinnehmen.

Diese Reform unterstreicht die Dringlichkeit, die von der Bertelsmann-Studie identifizierten Probleme anzugehen. Die Jobcenter stehen vor der Herausforderung, ihre Vermittlungsarbeit effektiver zu gestalten, um sowohl den Erwartungen der Politik als auch den Bedürfnissen der Arbeitslosen gerecht zu werden.

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