Zum Tag der Arbeit sorgt eine neue Statistik des Statistischen Bundesamtes für Überraschung: Ausgerechnet ein westdeutsches Bundesland liegt beim Bruttojahresverdienst ganz hinten. Arbeitnehmer in Schleswig-Holstein verdienten 2024 durchschnittlich nur 40.252 Euro brutto – weniger als in allen ostdeutschen Bundesländern. Die Zahlen wurden vom BSW angefragt und liegen BILD vor.
Ost-West-Vergleich: Ohne Teilzeit sieht es anders aus
Im Osten Deutschlands (ohne Berlin) lag der Durchschnittsverdienst bei 41.460 Euro, im Westen (mit Berlin) bei 46.552 Euro. Bundesweit betrug der Wert 45.913 Euro. Rheinland-Pfalz rutschte knapp unter das Niveau Thüringens: In Thüringen verdienten Beschäftigte 41.762 Euro, in Rheinland-Pfalz 41.724 Euro. Alle anderen ostdeutschen Länder schnitten besser ab als Schleswig-Holstein.
Betrachtet man jedoch nur Vollzeitbeschäftigte, ergibt sich ein völlig anderes Bild: Im Osten verdienten Vollzeitkräfte durchschnittlich 52.926 Euro, im Westen 66.171 Euro – rund 13.000 Euro mehr. Deutschlandweit lag der Wert bei 64.441 Euro. Schlusslicht war Sachsen-Anhalt mit 51.937 Euro. Thomas Schulze, BSW-Landesvorsitzender in Sachsen-Anhalt, sagte zu BILD: „Sachsen-Anhalt darf nicht länger Lohnkeller der Republik sein. Die Ostdeutschen haben das Recht auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit!“
Hohe Teilzeitquote in Schleswig-Holstein als Erklärung
Der Unterschied erklärt sich durch die hohe Teilzeitquote in Schleswig-Holstein: 2024 arbeiteten rund 474.000 Beschäftigte (etwa 35 Prozent) in Teilzeit – 54,6 Prozent der Frauen und 17,1 Prozent der Männer. Bundesweit lag die Quote bei 29 Prozent (49 Prozent der Frauen, 12 Prozent der Männer). Diese hohe Teilzeitbeschäftigung drückt den Durchschnittsverdienst im Norden.
Die Statistik zeigt: Während ostdeutsche Länder bei Vollzeitbeschäftigten weiterhin zurückliegen, holen sie beim Gesamtverdienst auf – auch dank geringerer Teilzeitquoten. Dennoch bleibt die Lohnlücke zwischen Ost und West ein zentrales Thema.



