Uckermark: Unternehmerin kritisiert 1000-Euro-Prämie als realitätsfern
Die von der Bundesregierung geplante steuerfreie Prämie von bis zu 1.000 Euro für Beschäftigte stößt bei Arbeitgebern in der Uckermark auf massive Kritik. Während viele Arbeitnehmer sich über die zusätzliche finanzielle Unterstützung freuen, sehen Unternehmer die Maßnahme als völlig realitätsfern an.
„Wo soll das Geld herkommen?“
Regina Kleta, Mitgesellschafterin der BDP Baudenkmalpflege Prenzlau GmbH & Co. KG, äußert sich im Gespräch mit dem Nordkurier deutlich: „Aber ganz ehrlich, wo soll das Geld denn momentan herkommen? Das muss doch erst einmal erwirtschaftet werden.“ Ihr mittelständischer Betrieb beschäftigt aktuell 61 Mitarbeiter inklusive Auszubildenden. Eine Prämienzahlung in der vorgeschlagenen Höhe würde zehntausende Euro zusätzlich kosten – in einer ohnehin angespannten wirtschaftlichen Situation.
Die Unternehmerin beschreibt die aktuelle Lage im Baugewerbe als zunehmend schwierig: „2025 war es noch recht stabil, aber seit diesem Jahr werden die Aufträge merklich weniger.“ Vor allem Privatkunden könnten sich Handwerkerleistungen kaum noch leisten, was die Nachfrage weiter dämpfe.
Explodierende Materialkosten belasten Betriebe
Ein zentrales Problem sind die massiv gestiegenen Materialkosten. Regina Kleta nennt ein konkretes Beispiel: „Ein Sack Zement beispielsweise sei vor Beginn des Ukrainekrieges für den Betrieb mit 2,48 Euro netto zu Buche geschlagen: Aktuell legen wir dafür 4,67 Euro hin.“ Insgesamt müssten Baubetriebe Preissteigerungen von bis zu 80 Prozent hinnehmen.
Neben den Materialkosten belasten auch die gestiegenen Energie- und Spritkosten die Betriebe erheblich. Die Unternehmerin kritisiert, dass diese Realität in der politischen Diskussion kaum Berücksichtigung finde: „Das scheinen die Politiker in ihrer Blase gar nicht mehr mitzubekommen.“
Handwerkskammer bestätigt angespannte Lage
Die wirtschaftliche Situation im ostbrandenburgischen Handwerk bleibt laut Handwerkskammer Frankfurt/Oder weiterhin angespannt. Martin Römer, Leiter der Pressestelle, bestätigt: „Eine spürbare Aufwärtsdynamik ist nicht erkennbar. Viele Betriebe bewegen sich derzeit in einem Spannungsfeld aus stabilisierenden Teilbereichen, hoher Kostenbelastung und insgesamt zurückhaltender Nachfrage.“
Die Auftragslage bleibt verhalten – der durchschnittliche Auftragsvorlauf ist auf aktuell nur noch 9,3 Wochen gesunken. Besonders im Ausbaugewerbe sowie in den Handwerken für den gewerblichen Bedarf haben sich die Auftragsbestände spürbar reduziert.
Mittelstand fühlt sich vernachlässigt
Regina Kleta äußert den Eindruck, dass der Mittelstand im ländlichen Raum sukzessive vernichtet werde: „Nicht nur ich habe langsam den Eindruck, als werde der Mittelstand im ländlichen Raum sukzessive vernichtet.“ Sie kritisiert zudem die Verwendung von Steuergeldern: „Regina Kleta hat wie viele andere den Eindruck, dass das deutsche Steuergeld überall in der Welt ausgegeben werde, nur nicht für das eigene Volk.“
Die Unternehmerin betont zwar, dass sie ihren Mitarbeitern mehr Geld gönnen würde, stellt aber die grundsätzliche Finanzierbarkeit in Frage: „Aber wo bitteschön soll es in den Betrieben denn herkommen? Die Umsätze sind doch rückläufig.“ Die geplante Prämie erscheint ihr vor diesem Hintergrund als Symbolpolitik, die die wirtschaftlichen Realitäten der Betriebe ignoriert.



