Verpackungswerk Rodenberg schließt: 138 Jobs weg, rechtliche Schritte geprüft
Verpackungswerk Rodenberg schließt: 138 Jobs weg

Verpackungswerk in Rodenberg endgültig geschlossen: 138 Mitarbeiter betroffen

In Rodenberg in Niedersachsen herrscht bittere Gewissheit: Das Wellpappen-Werk der Gissler & Pass Rodenberg GmbH wurde vollständig geschlossen. Nach Informationen aus der Belegschaft sind fast alle 138 Mitarbeiter des Standorts freigestellt worden. Lediglich eine Handvoll Angestellter arbeitet noch in der Verwaltung weiter.

Insolvenzverwalter erhebt schwere Vorwürfe gegen Muttergesellschaft

Insolvenzverwalter Dr. Volker Römermann, der ursprünglich davon überzeugt war, das Tochterunternehmen der Gissler-Weber SE erfolgreich aus der Insolvenz führen zu können, bestätigte die Kündigungen. „Ich kann bestätigen, dass fast alle Mitarbeiter gekündigt wurden“, so Römermann. Die Freistellungen seien notwendig geworden, da die Produktion komplett eingestellt wurde. Das Betriebsgelände wurde bereits an die Muttergesellschaft übergeben.

Römermann äußerte deutliche Kritik an der Muttergesellschaft mit Hauptsitz in Jülich: „Einer der Gründe für das Scheitern war die mangelnde Kooperationsbereitschaft der Muttergesellschaft“. Er betonte, dass engagierte Mitarbeiter und zahlreiche Kunden vorhanden gewesen seien, doch die fehlende Unterstützung habe zum Ende geführt.

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Muttergesellschaft weist Vorwürfe entschieden zurück

Die Muttergesellschaft reagierte umgehend auf die Anschuldigungen. Rechtsanwalt und Sprecher Theo Paeffgen wies die Kritik scharf zurück und erklärte: „Herr Dr. Römermann bewegt sich mit seinen Spekulationen hart am Rande der Strafbarkeit wegen Verleumdung mit entsprechenden Schadensersatzfolgen. Seine Spekulationen sind unhaltbar und ehrverletzend.“

Das Unternehmen betonte zudem seine Unterstützung für den Standort Rodenberg. Man habe das Unternehmen durch Liquidität und Stundung von Forderungen laufend mit zwischen vier und fünf Millionen Euro unterstützt und zugleich für Produktionsaufträge von monatlich etwa 2,5 Millionen Euro Umsatzvolumen gesorgt. Die Behauptung eines Betriebsübergangs zur Umgehung von Abfindungen wurde als absurd bezeichnet.

Rechtliche Auseinandersetzungen und Kündigungsschutzklagen im Raum

Hinter den Kulissen deutet vieles auf einen lang anhaltenden Streit zwischen der insolventen Tochtergesellschaft und der Muttergesellschaft hin. Nach Informationen werden derzeit Kündigungsschutzklagen geprüft. Betriebsrat und Gewerkschaft hatten bereits vor Monaten den Verdacht geäußert, dass der Standort Rodenberg Ende 2025 in eine GmbH ausgegliedert worden sei, um im Falle von Kündigungen Abfindungen zu umgehen.

Insolvenzverwalter Römermann ist sich sicher, dass die Auseinandersetzung nun vor Gericht weitergehen wird. Es wird erwartet, dass um ausstehende Millionenbeträge gestritten wird. Die betroffenen Mitarbeiter in Rodenberg stehen derweil vor einer ungewissen Zukunft, während die rechtlichen Prüfungen und möglichen Klagen ihren Lauf nehmen.

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