Zalando-Protest in Erfurt: Gewerkschafter und Politiker kritisieren Konzern scharf
Zalando-Protest: Gewerkschafter und Politiker kritisieren Konzern

Zalando-Protest in Erfurt: Gewerkschafter und Politiker kritisieren Konzern scharf

Bei einer Kundgebung gegen die geplante Schließung des Zalando-Logistikzentrums in Erfurt haben sich Mitarbeiter, Gewerkschafter und prominente Politiker mit deutlichen Worten zu Wort gemeldet. Die Veranstaltung vor dem Erfurter Hauptbahnhof richtete sich gegen die Schließungspläne des Internet-Modehändlers, der im September sein Logistikzentrum mit rund 2.700 Arbeitsplätzen schließen will.

Kritik am Umgang mit der Belegschaft

Im Mittelpunkt der Kritik stand der Umgang Zalandos mit der Belegschaft und dem Betriebsrat. Verdi-Gewerkschaftssekretär Matthias Adorf bezeichnete die letzte Betriebsversammlung als neuen Tiefpunkt, da von der Geschäftsleitung niemand mehr anwesend gewesen sei. Er betonte, dass es nicht nur um Arbeitsplätze gehe, sondern auch um Biografien. Adorf selbst habe bei Zalando seine heutige Ehefrau kennengelernt, und es gebe mehrere solcher Zalando-Ehen in Erfurt.

Arbeitsministerin Schenk äußert scharfe Kritik

Arbeitsministerin Katharina Schenk (SPD) kritisierte den Dax-Konzern und dessen fehlende Kooperationsbereitschaft deutlich. Sie fasste ihre Empfindungen nach dem Besuch der Betriebsversammlung mit den Worten „Ich war stocksauer“ zusammen. Schenk unterstellte Zalando ein systematisches In-den-Arsch-Treten der Menschen, die den Erfolg des Unternehmens erwirtschaftet hätten. Sie betonte, dass starke, gesunde und gut bezahlte Arbeitnehmer die Grundlage für wirtschaftlichen Erfolg seien.

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Politische Unterstützung für die Proteste

Neben Arbeitsministerin Schenk waren weitere Politiker vor Ort, darunter Finanzministerin Katja Wolf und Infrastrukturminister Steffen Schütz (beide BSW) sowie der ehemalige Ministerpräsident und Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow (Linke). Ihre Anwesenheit unterstrich die politische Bedeutung des Protests gegen die Schließungspläne.

Hintergrund der Schließungspläne

Das Zalando-Logistikzentrum in Erfurt beschäftigt derzeit etwa 2.700 Arbeitnehmer. Der Konzern hatte die Schließung überraschend Anfang des Jahres angekündigt, kurz nach der arbeitsintensiven Weihnachtszeit. Als Grund nannte Zalando eine Neuausrichtung des europaweiten Logistiknetzwerks nach der Übernahme des Online-Modehändlers About You im vergangenen Jahr. Die Arbeitnehmervertretung wehrt sich gegen diesen Schritt und fordert den Erhalt der Arbeitsplätze.

Die Kundgebung in Erfurt hat gezeigt, dass der Protest gegen die Schließung breite Unterstützung findet und sowohl gewerkschaftliche als auch politische Kreise mobilisiert. Die Kritik am Umgang Zalandos mit seiner Belegschaft bleibt ein zentrales Thema, das über die rein wirtschaftlichen Aspekte hinausgeht und soziale sowie persönliche Dimensionen berührt.

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