Bosch rutscht erstmals seit 2009 in die roten Zahlen
Der weltweit größte Autozulieferer Bosch hat im Geschäftsjahr 2025 einen Verlust von 363 Millionen Euro nach Steuern verbucht. Dies stellt den ersten negativen Jahresabschluss des Technologiekonzerns seit der Finanzkrise 2009 dar. Im Vergleich zum Vorjahr 2024, als noch ein Nachsteuergewinn von 1,3 Milliarden Euro erzielt wurde, markiert diese Entwicklung einen dramatischen Einbruch.
Milliardenkosten für Personalabbau als Hauptbelastung
Ein wesentlicher Faktor für den Verlust sind die außergewöhnlich hohen Kosten im Zusammenhang mit dem umfangreichen Stellenabbau. Diese belasteten das Ergebnis mit insgesamt 2,7 Milliarden Euro, vorwiegend in Form von Rückstellungen für Abfindungszahlungen. Die tatsächlichen Auszahlungen erfolgen zwar erst schrittweise in den kommenden Jahren, müssen jedoch bereits jetzt bilanziell berücksichtigt werden.
Bosch-Chef Stefan Hartung kommentierte die Zahlen mit gemischten Gefühlen: „Das Ergebnis liegt vor dem Hintergrund der angespannten Rahmenbedingungen und der Sonderbelastungen noch im Bereich des Annehmbaren. Es zeigt aber auch deutlich, dass wir Ertragskraft und Wettbewerbsfähigkeit weiter verbessern müssen.“
Steuereffekte und externe Faktoren verschärfen die Situation
Finanzchef Markus Forschner erläuterte die komplexe Steuersituation, die maßgeblich zum negativen Ergebnis beitrug. Vor Steuern hatte Bosch noch einen Gewinn von über 500 Millionen Euro erwirtschaftet. Das Nachsteuerminus entstand durch den Ergebnismix verschiedener Unternehmenseinheiten. Während profitable Bereiche regulär Steuern zahlen, können Verluste aus anderen Einheiten nicht sofort steuerlich geltend gemacht werden, sondern müssen in der Zukunft verrechnet werden.
Zusätzlich belasteten Wechselkursschwankungen, erhöhte Kostenstrukturen und zusätzliche Zölle – insbesondere aus den USA – die Bilanz. Der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) sank um 42 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro, während der Umsatz leicht auf rund 91,0 Milliarden Euro stieg.
Umfassender Strukturwandel mit massivem Personalabbau
Die schwierige Wirtschaftslage hat bei Bosch in nahezu allen Geschäftsfeldern durchgeschlagen. Nicht nur im Kernbereich Automobilzulieferung, sondern auch bei Hausgeräten, Elektrowerkzeugen und Gartengeräten halten sich Verbraucher aufgrund der unsicheren Konjunktur mit Käufen zurück. Das Unternehmen sieht sich in vielen Bereichen als nicht mehr wettbewerbsfähig an.
Als Konsequenz treibt das Management um Hartung einen radikalen Strukturwandel voran. Allein im Zulieferbereich plant Bosch in den kommenden Jahren den Abbau von bis zu 22.000 Stellen. Weitere Personalreduzierungen sind bei der Hausgerätetochter BSH und der Elektrowerkzeug-Sparte vorgesehen. Die Verhandlungen über den Stellenabbau im Mobility-Bereich sind inzwischen abgeschlossen.
„Und auch wenn es noch etwas dauern wird, bis die Maßnahmen die volle Wirksamkeit erreichen, müssen wir sie jetzt umsetzen: so schnell und konsequent wie nötig, aber auch so sozialverträglich wie möglich“, betonte Hartung die Dringlichkeit der Umstrukturierung.
Deutliche Verschiebung der Beschäftigtenstruktur
Ende 2025 beschäftigte die Bosch-Gruppe weltweit etwa 412.774 Mitarbeiter – 5.085 weniger als im Vorjahr. Besonders deutlich zeigt sich eine regionale Verschiebung von Europa in andere Weltregionen. Deutschland als traditioneller Hauptstandort war überproportional betroffen: Hier arbeiteten zuletzt etwa 123.803 Menschen, was einem Rückgang von 6.681 Personen oder fünf Prozent gegenüber dem Vorjahresende entspricht. Insgesamt arbeiten noch knapp 30 Prozent der Bosch-Belegschaft in Deutschland.
Ausblick 2026: Vorsichtiger Optimismus trotz anhaltender Herausforderungen
Für eine Entwarnung ist es laut Hartung noch zu früh. Die globalen Unsicherheiten – insbesondere die nicht abschätzbaren Auswirkungen des Kriegs im Nahen Osten – werden voraussichtlich weiterhin Inflation und Wirtschaftsleistung beeinträchtigen. Zudem bleibt der Preis- und Wettbewerbsdruck in allen Geschäftsfeldern hoch.
Dennoch zeigt sich das Management vorsichtig optimistisch für das laufende Jahr. Im ersten Quartal 2026 konnte der Umsatz etwa auf Vorjahresniveau gehalten werden. Für das Gesamtjahr peilt Bosch ein Umsatzwachstum von zwei bis fünf Prozent an. Finanzchef Forschner erklärte: „Für 2026 gehen wir von einer erheblichen Ergebnisverbesserung aus. Ein Grund dafür ist, dass Sondereffekte nicht mehr im Maße des Vorjahres belasten. Ebenso wirken sich die Sparmaßnahmen sukzessive positiv auf das Ergebnis aus.“
Statt der operativen Umsatzrendite von zwei Prozent wie 2025 rechnet Bosch für 2026 mit vier bis sechs Prozent. Die umfassenden Restrukturierungsmaßnahmen sollen langfristig die Wettbewerbsfähigkeit des Konzerns sichern, auch wenn die volle Wirkung erst in den kommenden Jahren spürbar werden wird.



