Gerüchte über gestreckten Kraftstoff: Experten widerlegen Falschbehauptungen
In sozialen Netzwerken wie TikTok und YouTube verbreiten sich derzeit besorgniserregende Behauptungen über angeblich gestreckten Kraftstoff an deutschen Tankstellen. Nutzer mit teilweise zehntausenden Followern behaupten, Benzin und Diesel würden manipuliert, was zu geringerer Reichweite und sogar Fahrzeugschäden führen soll. Diese Gerüchte sorgen für erhebliche Verunsicherung unter Autofahrern, doch Experten und Verbände stellen klar: Für diese Behauptungen gibt es keinerlei Belege.
Verbände und Experten widersprechen entschieden
Der ADAC, der rund 22 Millionen Mitglieder vertritt, teilt auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit: „Wir haben keine Fälle vorliegen, bei denen es den Verdacht gibt, dass Kraftstoff gestreckt wurde.“ Auch der Bundesverband Freier Tankstellen und Unabhängiger Deutscher Mineralölhändler (bft) mit über 2.800 angeschlossenen Tankstellen bestätigt, dass aktuell keinerlei Erkenntnisse über gestreckte Kraftstoffe vorliegen. Hauptgeschäftsführer Daniel Kaddik betont: „Ebenso gibt es keine Hinweise auf eine Häufung von Fahrzeugschäden, die auf minderwertige Kraftstoffe zurückzuführen wären.“
Strenge Kontrollsysteme in allen Bundesländern
Die Kontrolle von Kraftstoffen obliegt in Deutschland den Bundesländern, die regelmäßige Überprüfungen durchführen. In Nordrhein-Westfalen, dem bevölkerungsreichsten Bundesland, werden jährlich etwa 200 Kraftstoffproben an öffentlichen Tankstellen entnommen und analysiert. Ein Ministeriumssprecher erklärt: „Bei den bisher ausgewerteten Proben in diesem Jahr liegen uns keine Hinweise auf Manipulationen vor.“ Die Proben werden von unteren Immissionsschutzbehörden genommen und in spezialisierten Laboren auf zahlreiche Parameter untersucht – beim Ottokraftstoff sind es 29, beim Dieselkraftstoff 19 verschiedene Werte.
Auch andere Bundesländer melden keine Auffälligkeiten. In Bayern wurden bei der jüngsten Kontrollkampagne im Februar keine Unregelmäßigkeiten festgestellt. In Brandenburg liegen weder dem zuständigen Landesamt für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit noch dem Umweltministerium Erkenntnisse über gestreckten Sprit vor. Ein Ministeriumssprecher stellt klar: „Uns sind auch keine Beschwerden bekannt.“
Geschlossene Logistiksysteme schützen vor Manipulation
Der bft bewertet die Aussagen in sozialen Netzwerken als „unbegründet und irreführend“. Hauptgeschäftsführer Kaddik erklärt, dass Kraftstoffe wie Diesel oder die Benzinsorten E5 und E10 in Deutschland strengen gesetzlichen Normen unterliegen. Entlang der gesamten Lieferkette – von der Raffinerie über Tanklager bis zur Tankstelle – würden sie umfassend kontrolliert. „Verbraucher können sich darauf verlassen, dass die Qualität unabhängig vom Anbieter einheitlich ist.“
Der Verband betont zudem, dass Manipulationen in der Praxis äußerst unwahrscheinlich seien. Geschlossene Logistiksysteme, regelmäßige Kontrollen sowie erhebliche wirtschaftliche und strafrechtliche Risiken machten es weitgehend ausgeschlossen, dass Kraftstoffen andere Flüssigkeiten beigemischt würden. Die Behauptungen in sozialen Medien entbehrten „jeder belastbaren Grundlage“ und trügen zur unnötigen Verunsicherung von Verbrauchern bei, ohne auf überprüfbaren Fakten zu basieren.
Influencer setzen auf emotionale statt faktische Argumente
Mehrere Influencer mit teils zehntausenden Followern haben in den vergangenen Wochen Videos veröffentlicht, in denen sie die Qualität der Kraftstoffe in Zweifel ziehen. Es fallen Aussagen wie: „Ich habe das Gefühl, dass Diesel gestreckt wird“ oder „Was tun die ins Benzin rein?“ In den Kommentaren unter diesen Posts ist von vermeintlich gepanschten Kraftstoffen die Rede, wobei manche Nutzer behaupten, ein voller Tank reiche angeblich nur noch für ein Drittel der üblichen Strecke. Experten weisen darauf hin, dass solche emotional aufgeladenen Aussagen oft mehr Aufmerksamkeit generieren als sachliche Informationen, aber keine faktische Grundlage haben.
Die hohen Spritpreise in Deutschland sorgen bei vielen Autofahrern für Unmut, doch die Behauptungen über gestreckten Kraftstoff entbehren jeder Grundlage. Verbraucher können sich auf die umfassenden Kontrollsysteme und die strengen gesetzlichen Vorgaben verlassen, die die Qualität des Kraftstoffs an deutschen Tankstellen sicherstellen.



