IG Metall pocht auf stärkere Lockerung des Verbrenner-Verbots
Die IG Metall, Deutschlands größte Gewerkschaft, fordert eine deutliche Ausweitung der geplanten Lockerungen beim Verbot von Verbrennungsmotoren. Hintergrund ist die anhaltende Krise bei Automobilherstellern und ihren Zulieferern, die tausende Arbeitsplätze gefährdet.
Gewerkschaftschefin Benner: EU-Pläne reichen nicht aus
IG-Metall-Chefin Christiane Benner äußerte in einem Interview mit der Automobilwoche deutliche Kritik an den Vorschlägen der EU-Kommission. „Die bisher geplanten Flexibilitäten reichen bei weitem nicht aus“, betonte Benner. Die Gewerkschaft wolle klare Perspektiven für die Beschäftigten in der gesamten Automobilbranche schaffen, insbesondere für die oft besonders gefährdeten Arbeitsplätze in der Zulieferindustrie.
Benner verdeutlichte den Zwiespalt: „Ich würde natürlich einen eindeutigen Kurs in Richtung Elektromobilität bevorzugen. Doch ich sehe gleichzeitig, welche dramatischen Auswirkungen auf die Beschäftigungslage in der Automobil- und vor allem in der Zulieferindustrie drohen.“
EU-Kommission hatte bereits Kurskorrektur vorgeschlagen
Die Europäische Kommission hatte im Dezember vergangenen Jahres einen überraschenden Vorschlag unterbreitet, der eine Abkehr vom ursprünglich ausgehandelten vollständigen Verbrenner-Aus ab 2035 bedeutet. Demnach sollen auch nach diesem Stichtag weiterhin Neufahrzeuge mit Verbrennungsmotor in der EU zugelassen werden dürfen.
Konkret plant die EU Ausnahmeregelungen, die nur noch eine CO₂-Reduktion von bis zu 90 Prozent im Vergleich zum Basisjahr 2021 vorschreiben. Dieser Kompromiss soll Übergangsfristen ermöglichen und die Transformation der Automobilindustrie sozialverträglicher gestalten.
Forderung nach Marktchancen für Übergangstechnologien
Benner betonte die Dringlichkeit, dass Plug-in-Hybridfahrzeuge und Autos mit sogenannten Reichweitenverstärkern in den kommenden Jahren ausreichende Marktanteile erhalten müssen. „Diese Übergangstechnologien sind entscheidend für den Erhalt von Arbeitsplätzen, besonders in der Zulieferkette“, so die Gewerkschaftsvorsitzende.
Die IG Metall argumentiert, dass viele Zulieferbetriebe auf die Produktion von Komponenten für Verbrennungsmotoren spezialisiert sind und nicht kurzfristig auf Elektromobilität umstellen können. Eine zu strenge Regulierung könnte daher zu massiven Arbeitsplatzverlusten führen, bevor alternative Beschäftigungsmöglichkeiten geschaffen werden können.
Die Gewerkschaft fordert daher von der Politik, bei den anstehenden Verhandlungen über die endgültige Ausgestaltung des Verbrenner-Verbots die sozialen Folgen stärker zu berücksichtigen und den Transformationsprozess der Automobilindustrie durch längere Übergangsfristen abzufedern.



