Im schicken BMW-Prestige-Bau in München beginnt ein neues Kapitel. Milan Nedeljković (57) zieht am Donnerstag in das Chefbüro ein. Er will eine Weltmarke fit für die Zukunft machen – mit Pragmatismus, strategischem Denken und Mut. „Dafür stehe ich!“, sagte er am Mittwoch vor den Aktionären. Führen von der Spitze eines Dax-Schwergewichts. Als erstes Kind einer Gastarbeiterfamilie! Dabei startet seine Geschichte nicht mit Macht, sondern mit Sprachlosigkeit: ein kleiner Junge in einer Wuppertaler Schule, der kein Wort Deutsch versteht. Unsicher, fremd – und doch wach, aufmerksam, ehrgeizig.
Ohne Deutschkenntnisse zur Schule
Geboren 1969 im serbischen Kruševac kommt Nedeljković Anfang der 70er-Jahre nach Deutschland. Die Eltern arbeiten hart, der Vater bei Thyssen, die Mutter hilft in einer Apotheke. Es ist ein Leben ohne Privilegien, aber mit klaren Werten. Ein Lehrer erkennt das Potenzial des Jungen und empfiehlt trotz schwacher Deutschnoten das Gymnasium, schreibt die „FAS“. Es ist die erste Tür, die sich öffnet – weil jemand hinsieht.
Nach dem Studium zu BMW
Nedeljković studiert Maschinenbau in Aachen und am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in den USA. 1993 beginnt er bei BMW. Nebenbei gründet er 1996 in Kruševac die Möbelfirma „Rast“, die er bis heute hat, um für junge Menschen in der Region Arbeitsplätze zu schaffen. 2013 übernimmt er das BMW-Werk Leipzig mit dem i3. Ein Auto, seiner Zeit voraus. Der große Durchbruch bleibt aus, doch der Lerneffekt ist enorm.
Privatleben und Leidenschaften
Heute steht Nedeljković an der Spitze eines globalen Konzerns mit rund 155.000 Beschäftigten. Er hat zwei Pässe. Er lebt zwei Kulturen. Privat bleibt er zurückhaltend: Er ist verheiratet, hat drei Kinder. Ausgleich findet er beim Rudern und Basketball. In seiner alten Heimat wird sein Aufstieg mit Stolz verfolgt. „BMW? Das sind jetzt die Balkan Motoren Werke“, kommentiert das Netz. Und: „Das M in M3 steht für Milan!“
Herausforderungen als CEO
Vor dem CEO liegen große Aufgaben: Elektromobilität, China, geopolitischer Druck. „Nedeljković muss die ‚Neue Klasse‘ jetzt in der Breite ausrollen“, sagt Autoexperte Frank Schwope von der FHM Hannover zu BILD. Der neue Chef selbst sagt: „Agilität und Geschwindigkeit sind dabei entscheidender denn je.“ Sein Vertrag läuft fünf Jahre – Zeit genug, um zu zeigen, ob jemand, der ganz unten begonnen hat, auch ganz oben den richtigen Kurs halten kann.



