Volkswagen-Chef Oliver Blume dürfte gestaunt haben. 402,6 Millionen US-Dollar hat Rivian-Chef RJ Scaringe vergangenes Jahr verdient, mit dessen Elektroauto-Start-up der Wolfsburger Autokonzern eine kostspielige Partnerschaft unterhält. Dabei verkaufte Rivian 2025 gerade einmal 42.000 Fahrzeuge und fuhr einen Nettoverlust von 3,6 Milliarden Dollar ein. Dennoch gehört Scaringe zu den bestbezahlten Managern der Welt. Blume, der einen der größten Autokonzerne weltweit führt, kam in dem Jahr auf 6,3 Millionen Euro Gesamtvergütung.
Milliardenschwere Kooperation mit Volkswagen
Die Kooperation mit VW, für die Blume im Konzern tief in die Kasse gegriffen hat, lohnt sich offenbar für Rivian. Seit 2024 kooperiert der Konzern mit Rivian in einem Gemeinschaftsunternehmen, der „Rivian and Volkswagen Group Technologies“ (RVT). Es soll Elektronik und Software für künftige E-Autos beider Partner entwickeln. Allein im laufenden Jahr wird Volkswagen nach SPIEGEL-Berechnungen rund 2,3 Milliarden Euro in das US-Abenteuer stecken. Das gemeinsame Entwicklungszentrum finanziert VW zu drei Vierteln.
Vergütungspaket mit Milliardenpotenzial
Rivian-Gründer Scaringe konnte nun jedenfalls absahnen. Der Großteil seiner Vergütung besteht aus 373,5 Millionen Dollar an Aktienoptionen sowie 26,6 Millionen Dollar an Aktienzuteilungen bei einem Grundgehalt von 1,12 Millionen Dollar. Das Gesamtpaket, das Rivians Vergütungsausschuss im November genehmigt hatte, kann über ein Jahrzehnt bis zu 4,6 Milliarden Dollar wert sein. Dafür muss Scaringe liefern. Den vollen Betrag könnte er erst realisieren, wenn bestimmte Leistungsziele erreicht werden – etwa beim Aktienkurs und dem operativen Ergebnis. Ungefähr zur gleichen Zeit hatten Aktionäre des Elektroautoherstellers Tesla eine leistungsabhängige Prämie für Elon Musk genehmigt, die ihm rund eine Billion Dollar einbringen könnte.
Rivian profitiert, VW hofft
Der VW-Deal hat Rivians Entwicklungsabteilung schon profitabel werden lassen. Dagegen muss VW hoffen, dass diese Investitionen sich bezahlt machen. Immerhin erzielte Rivian 2025 erstmals einen Bruttogewinn, senkte die Kosten und startete die Produktion des R2, eines günstigeren Elektro-SUV für ein breiteres Publikum. Die Rivian-Aktie ist in diesem Jahr dennoch gefallen. Wie weit Scaringe nun mit dem Unternehmen kommt, der Rivian 2009 gründete und 2021 an die Börse brachte, muss er erst zeigen.



