EZB hält Leitzins trotz Inflationsanstieg bei 2,0 Prozent
EZB belässt Leitzins trotz Inflationsschub bei 2,0%

Die Europäische Zentralbank (EZB) hält den Leitzins trotz der durch den Irankrieg gestiegenen Inflation konstant. Der Einlagensatz bleibt bei 2,0 Prozent, wie der EZB-Rat am Donnerstag entschied. Über diesen Satz steuert die Notenbank maßgeblich ihre Geldpolitik.

Inflation steigt auf 3,0 Prozent

Ursache für den Inflationsschub im April sind die stark gestiegenen Energiepreise. Diese legten im April um satte 10,9 Prozent zu. In der Folge verteuerten sich Waren und Dienstleistungen im April um durchschnittlich 3,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das EU-Statistikamt Eurostat mitteilte. Experten hatten lediglich mit einem Anstieg auf 2,9 Prozent gerechnet. Bereits im März, nach Ausbruch des Irankonflikts, war die Teuerungsrate auf 2,6 Prozent geklettert. Die EZB hat ein Stabilitätsziel von 2,0 Prozent festgelegt.

Unternehmen geben Kosten weiter

„Umfragen zeigen, dass die Unternehmen die höheren Energiepreise rasch an die Verbraucher weitergeben werden“, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Die Inflationserwartungen der Verbraucher in den Euroländern sind im März wegen der stark gestiegenen Energiepreise infolge des Irankriegs bereits nach oben geschnellt. Im Mittel rechnen sie in den kommenden zwölf Monaten mit einer Teuerungsrate von 4,0 Prozent.

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Zinserhöhung im Juni erwartet

„Die EZB wird nicht um eine Zinserhöhung herumkommen, auch wenn sie sie wohl erst auf der Sitzung im Juni beschließen dürfte“, so die Einschätzung von EZB-Beobachter Krämer. Diese Ansicht teilen auch viele Anleger. Im Juni wird die EZB ihre aktualisierten Projektionen zum Wirtschaftswachstum und zur Inflation vorlegen. Derzeit liegt der Leitzins bei 2,0 Prozent. Mit einer zunächst abwartenden Haltung könnte die EZB Zeit gewinnen, um sich einen besseren Überblick darüber zu verschaffen, ob sich der Inflationsschub verfestigt.

Zweitrundeneffekte im Fokus

Wenn zeitweise höhere Preise zu steigenden Löhnen und in der Folge zu Preiserhöhungen von Firmen führen, könnten diese sogenannten Zweitrundeneffekte die Inflationsrate über längere Zeit hochhalten. „Wachsamkeit ist angesagt, da Unternehmen aus den Erfahrungen der zurückliegenden Jahre eher gewillt sind, ihre höheren Kosten an die Verbraucher weiterzugeben“, sagt DWS-Ökonomin Ulrike Kastens. „Damit steigen die Risiken in Richtung Zinserhöhung, übereilte Schritte vonseiten der EZB erwarten wir aber nicht.“

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