Windkraft-Streit in Mecklenburgischer Seenplatte: 6000 Bürger-Einwände verzögern Planung massiv
6000 Bürger-Einwände gegen Windkraft verzögern Planung in Seenplatte

Massiver Bürgerprotest gegen Windkraftplanung in Mecklenburgischer Seenplatte

Der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte hat sich mehrheitlich gegen die Bebauung von 1,4 Prozent seiner Fläche mit Windkraftanlagen ausgesprochen. Bei der jüngsten Kreistagssitzung in Neubrandenburg beschlossen die Mitglieder auf Vorschlag der BSW-Fraktion einen entsprechenden Appell an den Regionalen Planungsverband. Dieser Beschluss fiel mit 29 Ja- zu 25 Nein-Stimmen und stellt ein deutliches Signal an die Planungsbehörden dar.

Über 6000 Einwände werfen Zeitplan über den Haufen

Die Fertigstellung des Windplans verzögert sich erheblich, da der Widerstand aus der Bevölkerung enorm ist. Insgesamt 6068 Stellungnahmen zum aktuellen Planungsentwurf vom September 2025 sind eingegangen, wie der Regionale Planungsverband Mecklenburgische Seenplatte jetzt mitteilte. Besonders bemerkenswert: 5450 dieser Einwände wurden in Papierform eingereicht, viele davon sogar handschriftlich verfasst, wie Landrat Thomas Müller (CDU) bestätigte.

„Wir haben in etwa das Sechsfache von dem bekommen, was erwartet wurde“, erklärte Ina Spiegelberg, stellvertretende Leiterin des Planungsverbands. Der zunächst für Juni vorgesehene Termin zur Beschlussfassung durch die Verbandsversammlung könne daher nicht eingehalten werden. Voraussichtlich werde die Sitzung erst im Herbst dieses Jahres stattfinden – möglicherweise sogar erst im Herbst 2027, wie Landrat Müller andeutete.

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Manuelle Auswertung trotz KI-Unterstützung

Die Bearbeitung der zahlreichen Stellungnahmen gestaltet sich äußerst aufwendig. Zwar kommt in begrenztem Maße und nur bei einzelnen Arbeitsschritten ein KI-Modul zur Anwendung, doch diese automatisierte Unterstützung beschränkt sich lediglich auf die Strukturierung und Gruppierung der eingegangenen Dokumente. „Die Bewertung und Abwägung erfolgt nicht automatisiert, sondern weiterhin durch Menschen“, betonte Spiegelberg nachdrücklich.

Damit reagierte sie auch auf Kritik am Einsatz automatisierter Prozesse. Mirows Bürgermeister Henry Tesch (CDU) hatte sich per Brief an den Chef des Planungsverbands gewandt und um nähere Auskunft gebeten sowie Bedenken zum Einsatz von KI-Anwendungen geäußert.

Emotionale Debatte im Kreistag

Die Kreistagssitzung war von emotionalen Wortbeiträgen geprägt. Gilbert Schulz (Freier Horizont und Mitglied der BSW-Fraktion) warnte: „Werden die Pläne realisiert, kann man davon ausgehen, dass man von jedem Punkt des Landkreises aus Windkraftanlagen sieht, oft auch hört.“ Schon jetzt spüre jeder Einwohner die Auswirkungen des Ausbaus durch „signifikant gestiegene Strompreise“.

Enrico Schult von der AfD-Fraktion ergänzte: „2000 Windräder stehen schon, 4000 werden es. Es werden zu viele gebaut. Wir kämpfen weiter dafür, das aufzuhalten.“ Seine Fraktion schloss sich jedoch nicht der Mehrheit im Kreistag an, mit der Begründung, es sei „nicht der richtige Weg, 1,4 Prozent abzulehnen“.

Appell an das Gewissen der Planer

Norbert Schumacher (Freier Horizont und Mitglied der BSW-Fraktion) ermunterte die Kreistagsmitglieder: „In dieser Gesellschaft muss man auch mal Nein sagen. Wir können nicht jeden Unfug mitmachen.“ Der Planungsverband sei „aufgefordert, auf sein Gewissen zu hören und nicht zum Erfüllungsgehilfen zu werden.“

Landrat Thomas Müller als Chef des Planungsverbands gab jedoch zu bedenken: „Sollte der Plan bis 2027 nicht stehen, wird es Wildwuchs geben.“ Spätestens zum Ende des nächsten Jahres müsse der Planungsverband zu einem Ergebnis kommen.

Aktueller Entwurf umfasst 56 Gebiete

Bis Ende 2027 müssen nach derzeitiger Gesetzeslage auf 1,4 Prozent der Fläche in der Seenplatte Windvorranggebiete ausgewiesen werden. Andernfalls würde ein allgemeiner Vorrang von Windenergieanlagen im Außenbereich gelten. Der aktuelle Entwurf aus dem September sieht insgesamt 56 Windvorranggebiete vor, die 1,54 Prozent der Regionsfläche in der Seenplatte umfassen.

Die große Masse an Einwänden wird aller Voraussicht nach nicht nur den Zeitablauf für den Beschluss des Windplans durcheinanderwerfen, sondern auch noch einmal zu Veränderungen an der Flächenplanung führen. In der Mecklenburgischen Seenplatte sind im Vergleich zu anderen Planungsverbänden in Mecklenburg-Vorpommern mit Abstand die meisten Stellungnahmen eingegangen.

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