Grenzüberschreitendes Fernwärmeprojekt 'United Heat' startet Bauphase in Görlitz
Die deutsch-polnische Europastadt Görlitz-Zgorzelec erhält ein weiteres Leuchtturmprojekt. Nach erfolgreichen Initiativen wie der gemeinsamen Buslinie, dem Europastadt-Ticket und dem Brückenpark startet nun mit einem symbolischen Spatenstich am Dienstag, den 31. März, der Bau des grenzüberschreitenden Fernwärmeprojekts „United Heat“. Dieses ambitionierte Vorhaben markiert einen bedeutenden Schritt in der langjährigen Zusammenarbeit beider Städte.
Klimaneutrale Wärmeversorgung bis 2030
Das Projekt „United Heat“ verfolgt das ehrgeizige Ziel, die Fernwärmeversorgung in Görlitz und Zgorzelec bis zum Jahr 2030 vollständig auf erneuerbare Energieträger umzustellen. Seit 2020 wird dieses länderübergreifende Energieprojekt intensiv geplant und vorbereitet. Die Görlitzer Stadtwerke AG betonen, dass damit das erste klimaneutrale, grenzüberschreitende Fernwärmenetz zwischen Deutschland und Polen entsteht.
Die Finanzierung des Projekts ist bereits gesichert. Die Europäische Union hat Zuschüsse in Höhe von etwa 38 Millionen Euro zugesagt, während der Bund mehr als 81 Millionen Euro bereitstellen wird. Unter Beteiligung der Energieunternehmen Eon und Veolia sollen insgesamt Investitionen von rund 200 Millionen Euro getätigt werden. Diese Mittel ermöglichen es, künftig bis zu 50.000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr einzusparen.
Energiegeschichte in der Mitte Europas
Für den Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu (CDU) stellt „United Heat“ weit mehr als ein reines Infrastrukturprojekt dar. Es sei ein herausragendes Beispiel in der langjährigen Zusammenarbeit beider Städte, die sich bereits 1998 offiziell zur Europastadt erklärt hatten. „Görlitz und Zgorzelec schreiben damit Energiegeschichte in der Mitte Europas“, betonte Ursu.
Der symbolische Spatenstich findet in Anwesenheit hochrangiger Politprominenz aus beiden Staaten statt. Erwartet werden Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) und Polens Energieminister Milosz Motyka, was die politische Bedeutung des Vorhabens unterstreicht.
Technische Umsetzung und Infrastruktur
Im ersten Bauabschnitt ist geplant, den Standort der Wärmeerzeugung im Görlitzer Stadtteil Königshufen über eine 3,8 Kilometer lange Leitung mit Zgorzelec zu verbinden. Parallel dazu sollen vier bislang einzelne Fernwärmegebiete auf deutscher Seite zusammengeschlossen werden. Am Ende soll die grenzüberschreitende Wärmeinfrastruktur eine Gesamtlänge von zwölf Kilometern erreichen.
Entlang der geplanten Versorgungstrasse können neue Häuser an das Netz angeschlossen werden, um veraltete Heizungsanlagen durch moderne, klimaneutrale Erzeugungstechnologien zu ersetzen. Auf beiden Seiten der Neiße sollen an verschiedenen Standorten neue Anlagen entstehen, die zu 100 Prozent Wärme aus erneuerbaren Energieträgern erzeugen und ins Netz einspeisen.
Gemeinsame Gesellschaft für Betrieb und Bau
Zur Realisierung des Projekts wird eine gemeinsame Gesellschaft gegründet, die für den Bau und Betrieb der grenzüberschreitenden Leitung verantwortlich sein wird. Die Gründung dieses deutsch-polnischen Joint Ventures wird derzeit intensiv vorbereitet, wie aus den Görlitzer Stadtwerken verlautete. Diese Zusammenarbeit auf Unternehmensebene unterstreicht die nachhaltige Ausrichtung des gesamten Vorhabens.
Das Projekt „United Heat“ steht exemplarisch für die erfolgreiche grenzüberschreitende Kooperation in der Europastadt Görlitz-Zgorzelec und setzt neue Maßstäbe in der nachhaltigen Energieversorgung der Region.



