IEA kassiert Prognosen: Ölnachfrage sinkt erstmals seit 2020
Die Internationale Energieagentur (IEA) hat ihre Prognosen für den globalen Ölmarkt im laufenden Jahr drastisch nach unten korrigiert. Statt eines erwarteten Wachstums von Angebot und Nachfrage geht die in Paris ansässige Organisation nun von einem Rückgang beider Faktoren gegenüber dem Niveau von 2025 aus. Grund dafür sind die gravierenden Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten, der die Öllieferungen beeinträchtigt und die Weltwirtschaft belastet.
Konkrete Zahlen: Nachfrage und Angebot im Sinkflug
Die IEA rechnet nun mit einem Rückgang der globalen Ölnachfrage um 80.000 Barrel pro Tag im Jahr 2026. Bislang war sie noch von einem Anstieg um 640.000 Barrel pro Tag ausgegangen. Gleichzeitig prognostiziert sie für dieses Jahr einen Rückgang des globalen Ölangebots um 1,5 Millionen Barrel pro Tag, nachdem zuvor ein Anstieg von 1,1 Millionen Barrel pro Tag erwartet wurde. Diese Revisionen unterstreichen die Ernsthaftigkeit der aktuellen Krise.
Warnung des IEA-Chefs: Kein Land ist immun
Bereits am Vorabend hatte Fatih Birol, der Chef der IEA, vor den Folgen des Irankriegs gewarnt. Er erklärte, dass der April für die Energiemärkte und die Weltwirtschaft ein noch schwierigerer Monat werden könnte als der März. Während im März noch Lieferungen aus der Region eingetroffen seien, die lange vor Beginn der Krise verladen wurden, sei im April nichts verladen worden. Birol betonte: "Kein Land ist gegen dieses Problem immun." Je länger die Unterbrechung anhalte, desto gravierender werde das Problem für die globale Energiesicherheit.
Ölpreise und diplomatische Entwicklungen
Aktuell lassen Hoffnungen auf eine diplomatische Lösung im Konflikt zwischen den USA und Iran die Ölpreise sinken. Die Nordseesorte Brent und US-Leichtöl WTI verbilligten sich am Dienstag jeweils um bis zu rund drei Prozent auf 96,50 beziehungsweise 95,69 Dollar je Barrel. US-Präsident Donald Trump hatte am Montag erklärt, Iran wolle eine Einigung erzielen. Zuvor waren die Ölpreise gestiegen, nachdem das US-Militär mit einer Blockade der iranischen Häfen begonnen hatte, die sich nach Osten bis zum Golf von Oman und zum Arabischen Meer erstrecken soll. Iran hatte als Reaktion gedroht, Häfen in den Anrainerstaaten des Persischen Golfs anzugreifen.
Appell internationaler Organisationen
Der Internationale Währungsfonds (IWF), die Weltbank und die Internationale Energieagentur riefen die Staatengemeinschaft dazu auf, angesichts des größten Schocks für den globalen Energiemarkt das Horten von Energievorräten und die Verhängung von Exportbeschränkungen zu vermeiden. Diese Maßnahmen könnten die Situation weiter verschärfen und die wirtschaftlichen Belastungen erhöhen. Die Krise unterstreicht die dringende Notwendigkeit einer koordinierten internationalen Reaktion, um die Stabilität der Energiemärkte zu gewährleisten.



