Nach einer dreimonatigen Unterbrechung ist in der Nacht erstmals wieder Öl durch die Druschba-Pipeline in die Slowakei geflossen. Die Pipeline, die durch die Ukraine verläuft, wurde am Dienstag freigegeben. Ab 2 Uhr morgens slowakischer Ortszeit begann der Erdöltransport wieder. Dies gab die slowakische Wirtschaftsministerin Denisa Sakowa bekannt. „Die Lieferungen verlaufen derzeit planmäßig“, schrieb Sakowa auf Facebook.
Hintergrund der Wiederaufnahme
Die Wiederaufnahme der Öllieferungen soll ein umfangreiches Finanzhilfepaket der EU für die Ukraine sowie das 20. Sanktionspaket gegen Russland ermöglichen. Der slowakische Ministerpräsident Robert Fico kündigte an, dass sein Land im Falle von Öllieferungen die Blockaden gegen das Sanktionspaket aufheben werde. Zuvor hatte die Slowakei ein Veto gegen das Paket eingelegt. Aus Bratislava hieß es, man werde das Veto aufgeben, sobald das Öl wieder fließe. Die Slowakei ist in hohem Maße von russischem Öl abhängig.
Schaden durch russischen Angriff
Die Druschba-Pipeline, die durch die Ukraine in Richtung Ungarn und Slowakei führt, war ukrainischen Angaben zufolge im Januar durch einen russischen Angriff beschädigt worden. Seither floss kein Öl mehr. Im Februar rief die slowakische Regierung deshalb einen „Erdöl-Notstand“ aus. Am Dienstag erklärte die Ukraine, dass die Pipeline wieder repariert sei. Um die Wiederinbetriebnahme hatte es zwischen der Ukraine und Ungarn heftigen Streit gegeben. Der slowakische Ministerpräsident Fico sowie der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán äußerten Zweifel daran, dass die Pipeline tatsächlich jemals beschädigt gewesen sei.
Technische Details der Pipeline
Die Druschba-Leitung kann pro Tag mehr als zwei Millionen Barrel (159 Liter pro Barrel) transportieren. Davon gehen 1,4 bis 1,6 Millionen Barrel direkt in die Europäische Union, der Rest bleibt in Belarus. Eigentümer der Leitung ist der russische Pipeline-Monopolist Transneft. In Belarus wird die Pipeline geteilt: Der größere nördliche Arm verläuft über Polen nach Deutschland. Der südliche Arm der Druschba-Pipeline führt nach Tschechien, in die Slowakei und nach Ungarn. Der Name „Druschba“ bedeutet auf Deutsch übersetzt „Freundschaft“.



