Solarpark am Zarrenthiner Kiessee: Ungewöhnlicher Standort löst Brandschutzproblem
Solarpark am Badesee löst Brandschutzproblem in Zarrenthin

Solarpark am Zarrenthiner Kiessee: Ungewöhnlicher Standort löst Brandschutzproblem

Die Gemeinde Bentzin hat einen bemerkenswerten Beschluss gefasst: Direkt am beliebten Zarrenthiner Kiessee in Vorpommern soll ein Solarpark entstehen. Dieser ungewöhnliche Standort, der normalerweise für Naherholungsgebiete untypisch wäre, wird nicht nur grünen Strom erzeugen, sondern auch ein dringendes Brandschutzproblem für die wachsende Siedlung am Lindenweg lösen.

Historischer Sonderstatus ermöglichte die Genehmigung

Optisch passt ein Solarpark mit seinen Modulen und Tragkonstruktionen eigentlich nicht in dieses idyllische Naherholungsgebiet am Badesee. Unter normalen Umständen wäre eine Genehmigung an dieser exponierten Stelle kaum denkbar gewesen. Doch als 2020 der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan Nr. 9 gefasst wurde, befand sich das gesamte Areal noch unter Bergrecht und im Wirkungsfeld des Hauptbetriebsplans für den dortigen Kiestagebau.

Dieser Status als Konversionsfläche gab der Peene Kies GmbH und ihren Planern außergewöhnlichen Spielraum bei der Gestaltung des Geländes. Ähnlich wie beim bereits realisierten Ferienhausprojekt „Sandholm“ im nördlichen Bereich des Gewässers nutzen die Verantwortlichen diese Möglichkeit nun geschickt für ihre Zwecke aus.

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Technische Details des geplanten Solarparks

Das Plangebiet umfasst etwa 12,5 Hektar vor dem Eingangsbereich zum künftigen Ferienpark, begrenzt im Westen von dessen Erschließungsstraße. Es handelt sich im Prinzip um fast das gesamte Gelände hinter der alten Betriebszufahrt, wo einst die technischen Einrichtungen des Tagebaus standen.

Von dieser Fläche sollen rund 7,8 Hektar für die Solarstromerzeugung genutzt werden. Geplant sind 19.845 Photovoltaik-Module, die bis zu 2,60 Meter über die Geländeoberkante ragen werden. Die Gesamtleistung wird auf etwa 7,5 Megawatt (Peak) beziffert – rein rechnerisch genug, um die gesamte neue Urlaubssiedlung und zusätzlich Tausende umliegende Haushalte mit grünem Strom zu versorgen.

Dringendes Brandschutzproblem wird gelöst

Die Gemeinde profitiert von dieser Investition nicht nur finanziell, sondern zieht noch einen weiteren erheblichen Nutzen daraus. Denn in Brandschutzbelangen plagen die Verantwortlichen einige Sorgen in dieser Ecke Zarrenthins.

Entlang der Kreisstraße VG101 zwischen B110 und altem Dorf – im Volksmund als Lindenweg bekannt – sind in den vergangenen Jahren zahlreiche neue Eigenheime entstanden. Allerdings genügen die bisherigen Möglichkeiten nicht, um die behördlichen Löschwasserbedarfsanforderungen zu erfüllen.

Deshalb einigten sich die Kommune und die Initiatoren der Bebauungspläne für den Lindenweg sowie den Solarpark darauf, dieses Problem im Rahmen der Errichtung des Sonnenstromkraftwerks zu lösen. Da auch der Solarpark selbst für den Fall eines Feuers vorsorgen muss, soll dort nun eine Löschwasserentnahmestelle für alle eingerichtet werden.

Frostfreie Wasserentnahme aus dem Kiessee

Die neue Entnahmestelle bezieht ihr Wasser aus dem nahezu unerschöpflichen Kiessee und ist vor allem frostfrei, wie Bürgermeisterin Grit Gawrich im Gespräch erläuterte. Damit ist sie zu jeder Jahreszeit nutzbar – ein entscheidender Vorteil für die Feuerwehr.

Überdies wurde der Bau einer Zufahrt für die Feuerwehr und eine Stellfläche für deren Fahrzeuge vereinbart. „Das ist für ganz Zarrenthin eine tolle Sache“, so das Urteil der Gemeindechefin, nachdem die Abgeordneten bei ihrer jüngsten Sitzung die finalen Beschlüsse zum Vertrag und dem B-Plan Nr. 9 gefasst hatten.

Rücksicht auf Natur und Erholung

Die Module des Solarparks werden derweil nicht bis direkt ans Ufer reichen. Vielmehr sind zwischen ihnen und dem Kiessee ein Grünstreifen und eine den Wasservögeln vorbehaltene Zone vorgesehen – beide jeweils etwa 40 Meter breit. Diese Maßnahme soll sicherstellen, dass der Erholungswert des Badesees erhalten bleibt und die Natur geschützt wird.

Der Solarpark am Zarrenthiner Kiessee zeigt damit beispielhaft, wie innovative Energieprojekte gleichzeitig mehrere kommunale Herausforderungen lösen können: Sie erzeugen sauberen Strom, verbessern die Infrastruktur und tragen zur Sicherheit der Bürger bei – selbst an Standorten, die auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen mögen.

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