Solarstrom-Schwemme: Experten raten, PV-Anlagen abzuschalten
Solarstrom-Schwemme: PV-Anlagen abschalten?

Fünf Millionen Photovoltaik-Anlagen gibt es in Deutschland, und täglich kommen rund 3000 neue hinzu. Doch die schiere Menge an Solarstrom führt zunehmend zu Problemen. An Sonn- und Feiertagen, wenn die Industrie ruht und viele Büros leer stehen, produzieren die Anlagen mehr Strom, als verbraucht wird. Die Folge: Die Netze werden überflutet, und Deutschland muss den überschüssigen Strom zu Negativpreisen loswerden. Experten raten daher: „Schaltet eure Photovoltaik-Anlagen ab!“

Minuspreise am Strommarkt

Am 1. Mai, einem Feiertag mit viel Sonnenschein, zeigte der Intraday-Markt einen Strompreis von minus 855 Euro pro Megawattstunde an. Das bedeutet: Wer Strom abnimmt, wird dafür bezahlt. Laut dem Online-Wirtschaftsmagazin „Cleanthinking.de“ ist dies ein extremes Beispiel für die Schieflage zwischen Angebot und Nachfrage.

Experten fordern Abschaltung

Energieökonom Prof. Lion Hirth (41) von der Hertie School appelliert auf LinkedIn an die Besitzer von Solaranlagen: „Wenn ihr etwas Gutes für die Versorgungssicherheit, die Energiewende und den Bundeshaushalt tun wollt, dann schaltet eure PV-Anlage ab.“ Da es ein langes Wochenende ist, empfiehlt er sogar: „Ehrlich gesagt, am besten gleich bis Montag auslassen.“

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Auch Philipp Schröder (41), Ex-Tesla-Chef und CEO des Ökostromanbieters 1Komma5°, warnt vor der Überlastung der Netze. Er rät zur Anschaffung von Steuerboxen und Smart Metern, um die Anlagen automatisch drosseln zu können. „Viele kleine PV-Anlagen lassen sich nicht vom Netzbetreiber abschalten, deswegen am besten selbst aktiv werden“, so Schröder.

Flexibilitätsproblem statt Stromproblem

Die Experten sind sich einig: Deutschland hat kein Stromproblem, sondern ein Flexibilitätsproblem. An sonnigen Feiertagen kann kaum jemand eingreifen, um das Angebot zu regulieren. Der Strom flutet die Netze, und um ihn loszuwerden, zahlen Ökostromanbieter wie Octopus Energy mittags sogar Geld an Kunden, die Strom verbrauchen – mehr als 42 Cent pro Kilowattstunde.

Ausland profitiert von deutschem Strom

Ausländische Energieversorger erhalten den deutschen Solarstrom nicht nur gratis, sondern obendrauf noch eine Prämie von bis zu 48 Cent pro abgenommener Kilowattstunde. Österreich und die Schweiz nutzen den subventionierten Strom, um Wasser in ihre Pumpspeicherbecken zu pumpen. Später, wenn Deutschland den Strom benötigt, verkaufen sie ihn teuer zurück. Dies zeigt die Dringlichkeit, die Flexibilität des deutschen Stromsystems zu erhöhen.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration