Tankstellenverband warnt vor Spritpreisen von über 2,50 Euro pro Liter
Der Tankstellen-Interessenverband (TIV) rechnet angesichts des eskalierenden Iran-Krieges mit einem weiteren deutlichen Anstieg der Spritpreise in Deutschland. TIV-Sprecher Herbert Rabl sagte der „Rheinischen Post“, dass sogar Werte von mehr als 2,50 Euro pro Liter Benzin oder Diesel denkbar seien. Diese Entwicklung würde neue Rekordpreise an den Zapfsäulen bedeuten und Autofahrer erheblich belasten.
Ölpreise erreichen höchsten Stand seit der Energiekrise 2022
Rabl verwies auf den zuletzt massiv gestiegenen Ölpreis, der umgehend an die Verbraucher weitergegeben werde. Ein Fass Rohöl der Nordsee-Marke Brent kostete in der Nacht zu Montag zeitweise fast 120 US-Dollar. Damit erreichte der Preis den höchsten Stand seit der Energiekrise im Jahr 2022, als Russland in die Ukraine einmarschierte. Zwar sank der Ölpreis im Verlauf des gestrigen Tages wieder leicht, doch die grundsätzliche Tendenz bleibt besorgniserregend.
Der TIV-Sprecher äußerte die Befürchtung, dass Mineralölkonzerne die hohen Ölpreise nicht nur weiterreichen, sondern die Spritpreise sogar überproportional erhöhen könnten. „Es drängt sich die Vermutung auf, dass die Mineralölkonzerne den deutschen Markt nutzen, um zu sehen, was geht“, so Rabl. Die Tankstellenpächter würden an den sprudelnden Gewinnen nicht beteiligt, sondern bekämen lediglich ein oder zwei Cent Provision je verkauftem Liter Sprit – und dazu den Ärger der Verbraucher ab.
Wirtschaftsministerin Reiche in der Kritik
Laut Rabl sind nirgendwo in Europa die Spritpreise in der vergangenen Woche so stark gestiegen wie in Deutschland. Als eine Ursache dafür sieht er Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). „Meine Vermutung: Die Konzerne wissen, dass sie von Reiche nichts zu befürchten haben“, erklärte der TIV-Sprecher. Reiche hatte zwar angekündigt, dass das Bundeskartellamt die Preissprünge an den Tankstellen infolge des Iran-Krieges prüfen werde. Allerdings betonte Kartellamtspräsident Andreas Mund, dass die Möglichkeiten der Behörde eingeschränkt seien. Es gebe kein Instrumentarium, um geopolitisch getriebene Preissteigerungen auf Knopfdruck zu verhindern.
Österreich als mögliches Vorbild
Der Tankstellenverband empfiehlt die österreichische Regelung als Vorbild für Deutschland. „Die Regierung kann wie in Österreich eine Regel erlassen, dass die Konzerne nur noch einmal am Tag den Preis erhöhen und danach nur noch absenken dürfen“, sagte Rabl. In Österreich liege der Spritpreis aktuell nur bei etwa 1,70 Euro pro Liter – deutlich unter dem deutschen Niveau. Neben dem Rohölpreis spielen für den endgültigen Spritpreis auch Wechselkurse, staatliche Abgaben sowie Raffinerie- und Transportkosten eine entscheidende Rolle.
Die hohen Preise verschlechtern laut TIV nicht nur die Stimmung der Autofahrer, sondern beeinträchtigen auch das Shop-Geschäft an den Tankstellen, das rund 60 Prozent der Einnahmen ausmacht. Die Blockade der Straße von Hormus im Zuge des Iran-Konflikts verschärft die Situation zusätzlich, da gut sechs Prozent der deutschen Ölimporte aus dem Nahen Osten stammen.



