Dieselpreis eilt von Rekord zu Rekord - Politik sucht nach Entlastungswegen
Trotz der kürzlich eingeführten neuen Regeln an deutschen Tankstellen setzen die Spritpreise ihren ungebremsten Aufwärtstrend fort. Die politischen Entscheidungsträger sind derzeit intensiv mit der Suche nach wirksamen Maßnahmen beschäftigt, um die finanziell stark belasteten Autofahrer zu entlasten. Im Gespräch sind dabei verschiedene Ansätze, die von einer Erhöhung der Pendlerpauschale über die Einführung eines Rechts auf Homeoffice bis hin zu steuerlichen Entlastungsmodellen reichen.
Österreich-Modell zeigt bisher keine preisdämpfende Wirkung
Die Umstellung auf das sogenannte Österreich-Modell, das seit wenigen Tagen an deutschen Tankstellen gilt, hat in den ersten Tagen nach der Implementierung noch keine sinkenden Preise bewirken können. Ganz im Gegenteil: Der ADAC verzeichnete am Karfreitag erneut einen Rekordpreis für Dieselkraftstoff. Bei diesem neuen Preismodell dürfen die Tankstellen ihre Preise nur noch einmal täglich um 12 Uhr mittags anpassen, was in der Praxis zu deutlichen Preissprüngen führte.
Ein Liter Diesel erreichte am Donnerstag im Tagesdurchschnitt den historischen Höchststand von 2,346 Euro, womit der bisherige Rekordwert vom Vortag (2,327 Euro) deutlich übertroffen wurde. Aus Sicht des ADAC lassen sich diese extrem hohen Preise nur teilweise durch den gestiegenen Ölpreis erklären, der sich vom 1. auf den 2. April erhöht hatte.
Politische Arbeitsgruppe sucht nach zielgenauen Lösungen
Unionsfraktionsvize Sepp Müller (CDU) äußerte sich deutlich zu der aktuellen Situation: „Weitere Maßnahmen wie eine mögliche Entlastung über die Kfz-Steuer müssen nicht nur schnell, sondern vor allem zielgenau wirken, um Haushalte und Wirtschaft nachhaltig zu entlasten.“ Müller leitet gemeinsam mit Armand Zorn (SPD) eine Arbeitsgruppe der schwarz-roten Bundesregierung, die sich mit dieser Thematik befasst.
SPD-Politiker Zorn bezeichnete das erste Maßnahmenpaket, zu dem neben der neuen Tankstellenregelung auch erweiterte Befugnisse des Bundeskartellamts gegen überhöhte Preise gehören, als wichtigen ersten Schritt zur Schaffung von mehr Transparenz an den Zapfsäulen. Beide Politiker betonten jedoch, dass das Kartellamt seine neuen Möglichkeiten auch tatsächlich nutzen müsse.
Verschiedene Entlastungsmodelle im politischen Diskurs
Die Koalitionsfraktionen prüfen derzeit verschiedene mögliche Maßnahmen zur Entlastung der Autofahrer. Dazu zählen insbesondere:
- Eine temporäre Entlastung über die Pendlerpauschale
- Eine Pauschalentlastung über Daten der Kfz-Steuer
- Eine befristete Senkung der Energiesteuer
- Die Senkung der Stromsteuer für alle Verbraucher
Darüber hinaus werden ein Spritpreisdeckel sowie die Einführung einer sogenannten Übergewinnsteuer diskutiert – eine Art Extra-Steuer für kriegsbedingte Profite von Mineralölkonzernen. SPD-Politiker Zorn sprach sich explizit für beide Maßnahmen aus.
Kontroverse Positionen zur Übergewinnsteuer
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) lehnt eine Übergewinnsteuer für Ölkonzerne jedoch entschieden ab. Sie verwies auf laufende Gerichtsverfahren gegen ähnliche Sondersteuern, die während des Energieschocks infolge des russischen Überfalls auf die Ukraine erlassen wurden. „Anstatt sehenden Auges in verfassungsrechtliche Schwierigkeiten zu laufen, würde ich mir Vorschläge wünschen, die eine zielgerichtete Entlastung von Pendlern mit langen Arbeitswegen ermöglichen“, so Reiche.
Auch die Ökonomin Veronika Grimm steht einer Übergewinnsteuer skeptisch gegenüber. Sie hält die bisher von der Bundesregierung umgesetzten Maßnahmen für wenig wirksam und sieht die Lösung vor allem in einer Reduzierung des Energieverbrauchs. „Die Regierung muss die Preise wirken lassen, damit die Energienachfrage sinkt. Tankrabatte und Preisdeckel verzerren die Preise, sie sind der falsche Weg“, erklärte Grimm. Einem strengeren Tempolimit könnte sie durchaus positive Effekte abgewinnen.
Homeoffice als möglicher Entlastungsfaktor
Die ehemalige Grünen-Chefin Ricarda Lang setzt sich vehement für die Einführung eines Rechts auf Homeoffice ein. „Jeder gesparte Tropfen Sprit ist im Moment gut für den Geldbeutel der Bürger. Beschäftigte brauchen jetzt ein Recht auf mobiles Arbeiten und Homeoffice überall dort, wo die Tätigkeit es zulässt“, forderte Lang. Wer seine Arbeit grundsätzlich nicht von zu Hause erledigen könne, müsse gezielt entlastet werden – idealerweise mit Mitteln aus einer Übergewinnsteuer.
Die politischen Diskussionen zeigen, dass die Suche nach wirksamen und gleichzeitig verfassungskonformen Maßnahmen zur Entlastung der Autofahrer weiterhin im Fokus steht, während die Spritpreise an den Tankstellen unvermindert auf Rekordniveau verharren.



