Finanzielle Unabhängigkeit für Frauen: Expertinnen raten zu früher Vorsorge und klaren Strategien
Die Münchner Finanzexpertinnen Sabine Naumenko und Regina Beez haben sich bei der Stadtsparkasse auf das Thema Frauen und Finanzen spezialisiert. In einem ausführlichen Gespräch erläutern sie, warum sich unabhängig vom Geschlecht jeder mit Geldangelegenheiten beschäftigen sollte und wie Frauen trotz häufig schwieriger Ausgangslagen finanzielle Sicherheit erreichen können.
Frühe Finanzerziehung und positive Einstellung
Sabine Naumenko betont die Bedeutung einer frühen und positiven Heranführung an Finanzthemen: "Mir ist es wirklich wichtig, dass Frauen wissen: Finanzen sind nicht gefährlich. Das Thema kann auch Spaß machen." Beide Expertinnen geben ihr Wissen auch im privaten Umfeld weiter - Naumenko spricht regelmäßig mit Neffen und Nichten über Geld, Beez als Mutter von zwei Kindern.
Beez erklärt: "Über Finanzkompetenz gibt es keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern. Es ist nur so, dass Frauen in Partnerschaften nach wie vor einen großen Teil der Care-Arbeit übernehmen." Dies führe zu anderen finanziellen Voraussetzungen: niedrigere Gehälter, häufige Teilzeitarbeit und Berufe mit geringerer Vergütung.
Trennungen als häufigster Beratungsanlass
Naumenko bestätigt: "Trennungen sind der häufigste Beratungsfall." In solchen Momenten komme die Partnerin oft zum ersten Mal mit in die Bank. "Das ist der erste große und auch wichtigste Schritt in solch einer speziellen Situation. Es ist auch der halbe Weg zum Ziel."
Der erste konkrete Schritt sei eine einfache Einnahmen- und Ausgabenrechnung. "Diese Klarheit gibt einem Ruhe," so Naumenko. Anschließend gehe es ins Detail: Wohnsituation, Eigentum, notwendige Umzüge und die Entflechtung gemeinsamer Finanzprodukte wie Wertpapiere, Lebensversicherungen oder Depots.
Vereinbarungen in guten Zeiten treffen
Beide Expertinnen raten zu realistischer Planung. Beez erklärt: "Wir kennen ja alle die hohen Scheidungs- und Trennungsraten. Jeder sollte offen mit dem Partner über Finanzen sprechen." Naumenko ergänzt: "Wenn man sich lieb hat, ist man sich wohlgesonnen. Zu dem Zeitpunkt können Paare Vereinbarungen treffen. Aber wenn das Tischtuch mal zerschnitten ist, wird es kompliziert."
Neben Trennungsszenarien sei auch die Absicherung gegen andere Schicksalsschläge wie Krankheit oder Todesfall wichtig. "Das Schlimmste ist, gar nicht darüber zu reden," warnt Naumenko. "Dann erwischt es einen im Extremfall immer völlig unvorbereitet."
Strategien für Teilzeit und Altersvorsorge
Für Frauen in Teilzeit gelten besondere Empfehlungen. Beez betont: "Auch hier gilt: Vorsorge und Investitionen in den Kapital- und Anlagemarkt." Interessant sei, dass Forschungsergebnisse zeigten: "Frauen treffen meistens bessere Investitionsentscheidungen als Männer."
Naumenko erklärt mögliche Gründe: "Frauen lassen sich nicht von Trends ablenken und nehmen sich die Zeit, alles genau zu analysieren. Sie sind bei risikoreichen Anlagen nicht so leicht zu locken, Männer sind da eher gefährdet." Sie selbst habe seit 20 Jahren vier Fonds-Sparpläne, die über die lange Zeit "Bombe" laufen würden.
Für die Altersvorsorge sei der Zinseszins-Effekt entscheidend. Beez rät: "Schon in jungen Jahren sollte jeder vorsorgen, lange bevor Kinder da sind. Je jünger wir anfangen anzulegen, umso erfolgreicher sind wir und können von einer Altersvorsorge profitieren."
Praktische Absicherungsmöglichkeiten
Für konkrete Absicherung empfehlen die Expertinnen:
- Notgroschen: Für unerwartete Ausgaben wie Auto- oder Waschmaschinenreparaturen
- Streuung der Anlagen: Lebensversicherungen, Aktien, Eigentum in ausgewogenem Mix
- Versicherungen: Risikolebensversicherungen, Berufsunfähigkeitsversicherungen oder Kapitallebensversicherungen
- Rechtliche Beratung: Bei komplexen Trennungsfällen frühzeitig Anwälte und Steuerberater hinzuziehen
Positive Entwicklungen und ermutigende Beispiele
Beez beobachtet positive Veränderungen: "Die Care-Arbeit wird inzwischen schon besser aufgeteilt, die Bereitschaft ist da." Wenn die Frau zuhause sei und der Mann die bessere Steuerklasse habe, unterstützten Männer ihre Partnerinnen viel häufiger als früher.
Naumenko berichtet von einer Kundin, die sich nach einer Trennung mit zwei Kindern neu orientierte: "Sie nahm das Zepter in die Hand, hat jetzt wieder einen tollen Beruf, ist Lehrerin, sie spart, obwohl es manchmal eng ist. Wir überprüfen halbjährlich gemeinsam die Prognosen. Sie ist auf einem guten Weg."
Die zentrale Botschaft beider Expertinnen lautet: "Es ist nie zu spät, die Kontrolle zu übernehmen." Finanzielle Bildung, frühe Vorsorge und klare Vereinbarungen können Frauen helfen, trotz schwieriger Ausgangslagen finanzielle Unabhängigkeit und Sicherheit zu erreichen.



