Irankrieg: Benzin war in früheren Krisen relativ teurer für Autofahrer
Irankrieg: Benzin früher teurer als heute

Irankrieg: Benzinpreise im historischen Vergleich weniger belastend

In der aktuellen Nahost-Krise stöhnen viele Autofahrer über die hohen Benzinpreise. Doch ein Blick in die Vergangenheit offenbart eine überraschende Tatsache: Die heutige Belastung ist im Verhältnis zum Einkommen geringer als während früherer Krisen. Dies geht aus einer aktuellen Untersuchung des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln (IW) hervor, die die benötigte Arbeitszeit für einen Liter Benzin analysiert hat.

Arbeitszeit für Benzin sinkt trotz steigender Preise

Laut der IW-Studie müssen Beschäftigte derzeit knapp fünf Minuten arbeiten, um sich einen Liter Benzin leisten zu können. Im Vergleich dazu waren während des Ukrainekriegs im Jahr 2022 noch 5,2 Minuten nötig. In den Jahren 2011 und 2012, als der Ölpreis infolge des Arabischen Frühlings auf über 125 Dollar stieg, betrug die Arbeitszeit fast sechs Minuten. Während der Ölkrise 1974 lag sie sogar bei 6,3 Minuten.

Christoph Schröder, Ökonom am IW, erklärt diesen Trend: "Der Grund für den Rückgang liegt nicht in sinkenden Spritpreisen. Denn der Literpreis hat sich seit 1960 versiebenfacht." Tatsächlich stieg der Preis von umgerechnet 0,31 Euro auf heute 2,08 Euro. "Doch der Nettolohn ist im selben Zeitraum fast um das Zwanzigfache gestiegen", so Schröder weiter, von 1,29 Euro auf 25,56 Euro pro Stunde.

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Kaufkraft hat sich deutlich verbessert

Im Jahr 1960 musste ein Arbeitnehmer etwa 14 Minuten arbeiten, um einen Liter Benzin zu tanken – fast dreimal so lange wie heute. "Weil die Einkommen die Preise so deutlich überholt haben, können sich Beschäftigte an der Zapfsäule heute mehr leisten als früher", betont Schröder. Diese gestiegene Kaufkraft mildert die Auswirkungen der aktuellen Preisspitzen infolge des Irankriegs.

Gut vier Wochen nach Beginn des Konflikts am Persischen Golf nähert sich die Arbeitszeit nun erneut der Fünf-Minuten-Marke. Das IW stellt jedoch klar, dass sie immer noch weit von den Spitzenwerten vergangener Krisen entfernt ist. Sollte sich die Lage im Nahen Osten weiter verschärfen, könnte sich dies allerdings ändern.

Maßnahmen der Bundesregierung und Unsicherheiten

Die Bundesregierung hat bereits Gegenmaßnahmen eingeleitet, um die Preisdynamik zu bremsen. Ab dem 1. April soll nach österreichischem Vorbild nur noch eine Preissteigerung pro Tag zulässig sein. Das IW äußert sich dazu skeptisch: "Ob dies die Preise senkt oder nur dazu führt, dass die täglichen Preisschwankungen geringer ausfallen, bleibt fraglich." Zudem soll eine strengere Kartellaufsicht greifen, deren Umsetzung jedoch Zeit benötigt, sodass kurzfristige Preiseffekte unwahrscheinlich sind.

Insgesamt zeigt die Studie, dass die Aufregung über hohe Spritpreise im historischen Kontext relativiert werden muss. Trotz der aktuellen Belastungen durch den Irankrieg ist die reale Kaufkraft der Verbraucher heute deutlich höher als in vergangenen Dekaden, was die finanzielle Last an der Tankstelle spürbar reduziert.

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