IW-Analyse: Trotz Iran-Krieg arbeiten Bürger weniger für Sprit als in früheren Krisen
IW: Weniger Arbeitszeit für Sprit trotz Iran-Krieg

IW-Analyse: Trotz Iran-Krieg arbeiten Bürger weniger für Sprit als in früheren Krisen

Die Spritpreise in Deutschland sind infolge des Iran-Kriegs in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen, was viele Autofahrer verärgert. Eine aktuelle Berechnung des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) offenbart jedoch eine überraschende Perspektive: Beschäftigte müssen derzeit im Durchschnitt nur vier Minuten und 53 Sekunden für einen Liter Benzin arbeiten. Dieser Wert liegt niedriger als bei anderen großen Krisen der Vergangenheit.

Historischer Vergleich der Arbeitszeit für Benzin

Für die Analyse nutzte das IW den durchschnittlichen Nettolohn, der zuletzt bei 25,56 Euro pro Stunde lag, sowie einen Superbenzinpreis von 2,08 Euro pro Liter. Während der Ölkrise im Jahr 1974 waren für einen Liter Benzin noch 6,3 Minuten Arbeit erforderlich. In den Jahren 2011 und 2012, beeinflusst durch den Arabischen Frühling, lag dieser Wert bei knapp sechs Minuten. Der Ukraine-Krieg trieb die benötigte Arbeitszeit im Jahr 2022 auf 5,2 Minuten hoch.

IW-Ökonom Christoph Schröder erläuterte: „Der Preis für einen Liter Benzin hat sich seit 1960 zwar versiebenfacht. Doch der durchschnittliche Nettolohn ist im selben Zeitraum fast um das Zwanzigfache gestiegen: von 1,29 Euro auf 25,56 Euro pro Stunde.“ Im Jahr 1960 mussten Beschäftigte für das Tanken etwa 14 Minuten arbeiten, was fast dreimal so lange ist wie heute. Schröder betonte: „Weil die Einkommen die Preise so deutlich überholt haben, können sich Beschäftigte an der Zapfsäule heute mehr leisten als früher.“

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Aktuelle Lage und mögliche Entwicklungen

Obwohl die aktuelle Arbeitszeit pro Liter Benzin noch weit von den Spitzenwerten früherer Krisen entfernt ist, warnte Schröder vor möglichen Veränderungen. „Sollte sich die Lage im Nahen Osten weiter verschärfen, dürfte sich das allerdings ändern.“ Das IW berechnete, dass bei einem Anstieg des Superbenzinpreises auf 2,30 Euro pro Liter die benötigte Arbeitszeit auf fünf Minuten und 24 Sekunden steigen würde.

Diese Analyse unterstreicht, dass trotz der aktuellen Preissteigerungen die Kaufkraft der Verbraucher im historischen Vergleich robust bleibt. Allerdings bleibt die Situation angesichts der geopolitischen Spannungen im Nahen Osten dynamisch und könnte sich bei einer Eskalation schnell verändern.

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