Gleiche Packung, weniger Inhalt – die Verbraucherzentrale Hamburg wirft dem Hersteller Mondelēz vor, die Milka-Preise verdeckt erhöht zu haben. Das Landgericht Bremen entscheidet nun, ob der Lebensmittelhersteller Kunden in die Irre geführt hat.
Der Fall Milka
Die Verbraucherzentrale Hamburg kritisiert, dass die Milka-Schokoladentafel bei identischer Verpackung und Design unmerklich rund einen Millimeter dünner geworden sei. Viele Tafeln wiegen inzwischen nur noch 90 statt 100 Gramm, während der Preis im Handel von 1,49 auf 1,99 Euro gestiegen ist. Rewe-Chef Lionel Souque rechtfertigte dies im SPIEGEL-Interview mit einem gestiegenen Einkaufspreis und kritisierte die Methoden von Mondelēz. Der Hersteller weist die Vorwürfe zurück: Das Gewicht sei klar auf der Verpackung erkennbar, und die Menge habe bereits in der Vergangenheit je nach Sorte zwischen 81 und 100 Gramm variiert. Zudem informiere man Kunden auf der Website und in sozialen Medien. Der Vorsitzende Richter deutete jedoch an, dass das Gericht der Argumentation der Verbraucherschützer folgen könnte: „Das ist eine relative Mogelpackung.“
Warum steigen die Schokoladenpreise?
In den vergangenen Jahren ist Schokolade deutlich teurer geworden. Ursachen sind Ernteausfälle in Westafrika infolge von Pflanzenkrankheiten und Extremwetterlagen, die durch die Klimakrise häufiger werden. Laut Statistischem Bundesamt war eine Tafel Schokolade im März 2026 im Schnitt 71 Prozent teurer als 2020. In den letzten Monaten haben Supermärkte die Preise für Eigenmarken jedoch wieder gesenkt, da die Kakaoernte besser ausfiel und die Rohkakaopreise an den Börsen deutlich gesunken sind.
Shrinkflation: Weitere betroffene Produkte
Das Phänomen – weniger Inhalt zum gleichen oder höheren Preis – wird als Shrinkflation bezeichnet. Die Verbraucherzentrale Hamburg führt eine Liste mit über 1000 solcher verdeckten Preiserhöhungen. Häufig betroffen sind Markenprodukte, vor allem Süßwaren. Verbraucher können verdächtige Produkte online melden. So fiel einer Verbraucherin auf, dass eine Packung Sanella-Margarine plötzlich nur noch 400 statt 500 Gramm enthielt. Die Verbraucherzentrale klagte und gewann: Das Landgericht Hamburg bestätigte 2024 eine Irreführung.
Ritter Sport unter Verdacht
Anfang Mai gab die Verbraucherzentrale Hamburg einen neuen Streitfall bekannt: Ritter Sport steht im Verdacht, bei drei Schokoladentafeln Shrinkflation anzuwenden. Die „Edelkakao Klasse“-Tafeln enthalten nur 75 statt 100 Gramm bei gleichbleibendem Preis, was einer verdeckten Preiserhöhung von rund einem Drittel entspricht. Die Tafeln sind dünner (neun statt zwölf Millimeter), die Verpackung jedoch gleich groß. Ritter Sport argumentiert, es handle sich um eine neue Produktgruppe mit neuer Rezeptur und neuem Tafelformat. Die Verbraucherzentrale sieht Parallelen zu den „Kakao Klasse“-Tafeln, die nicht mehr produziert werden. Ritter Sport muss wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten erstmals Stellen abbauen.
Zukunftsaussichten für Klagen
Shrinkflation ist nicht prinzipiell verboten. Armin Valet, Lebensmittelexperte der Verbraucherzentrale Hamburg, erklärt: „Der Korridor bei Klagen zu Shrinkflation ist sehr klein. Wichtigste Voraussetzung ist, dass Aufmachung und Design der Verpackungen gleich sind. Dann könnte eine Irreführung vorliegen.“ Die Verbraucherschützer hoffen, dass ein Urteil zu ihren Gunsten abschreckend auf andere Hersteller wirkt. Sollte eine Seite das erwartete Urteil nicht akzeptieren, kann der Streit in höheren Instanzen weitergeführt werden.



