Riester-Rente wird abgelöst: Das müssen Sparer zur neuen Altersvorsorge wissen
Riester-Rente abgelöst: Neue Altersvorsorge ab 2027

Riester-Rente geht in Rente: Grundlegende Reform der privaten Altersvorsorge beschlossen

Ravensburg • Die Ära der Riester-Rente neigt sich dem Ende zu. Nach jahrelanger Kritik an den komplexen und teuren Produkten hat der Bundestag eine grundlegende Reform der privaten Altersvorsorge verabschiedet. Ab dem Jahr 2027 wird das bisherige System durch neue, flexiblere und kostengünstigere Lösungen ersetzt. Diese sollen Rentenlücken effektiver schließen und mehr Menschen eine sinnvolle Vorsorge ermöglichen.

Kernpunkte der Reform: Flexibilität und höhere Förderung

Die wichtigste Neuerung betrifft die Beitragsgarantie. Sparer können künftig zwischen zwei Optionen wählen: Ein Altersvorsorgedepot ohne Garantie oder ein Standardprodukt mit einer Garantie von mindestens 80 Prozent der eingezahlten Beträge. Zudem werden die staatlichen Zuschüsse attraktiver gestaltet, und erstmals können auch Selbstständige die geförderte Altersvorsorge nutzen.

Finanzexperte Nils Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg bewertet die Reform als echten Meilenstein. "Zwei Jahrzehnte lang wurden Reformen von den Interessen der Finanzlobby geprägt, während Verbrauchern komplexe, teure und unpassende Produkte verkauft wurden", erklärt Nauhauser. "Die Politik hat das Problem jetzt erkannt und bricht diese Benachteiligung mit dem staatlich organisierten Standardprodukt endlich auf."

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Herausforderungen und Verbrauchertipps

Trotz der positiven Entwicklungen bleiben einige Probleme ungelöst. Das staatliche Standardprodukt wird nur eines von vielen Angeboten am Markt sein, was die Entscheidung für Verbraucher weiterhin komplex gestaltet. Ein Opt-out-Modell, bei dem alle automatisch in das staatliche Produkt einzahlen, hätte die Verbreitung deutlich erhöhen können.

Strukturelle Probleme im Beratungsmarkt bleiben ebenfalls bestehen. Finanzberater verkaufen häufig Produkte mit hohen Provisionen, nicht unbedingt die besten Lösungen für Sparer. Selbst der Kostendeckel von einem Prozent in den Standardprodukten ändert daran wenig, da Berater dann einfach teurere Alternativen anbieten.

Nauhauser rät Verbrauchern:

  • Skeptisch bleiben und sich nicht unter Druck setzen lassen
  • Verkaufsgespräche auf Provisionsbasis meiden
  • Unabhängig bei Stiftung Warentest oder Verbraucherzentralen informieren
  • Auf Kosten und Kleingedrucktes achten – viele Anbieter behalten sich Preisänderungsrechte vor
  • Im Zweifel auf das staatliche Standardprodukt warten, das ab 2027 verfügbar sein soll

Das neue Altersvorsorgedepot: Chancen und Risiken

Herzstück der Reform ist die Einführung eines Altersvorsorgedepots, das ab Januar 2027 auch ETF-Sparpläne für den Ruhestand fördern soll – ganz ohne Beitragsgarantie. Ob sich diese Variante lohnt, muss im Einzelfall berechnet werden.

Nachteile des Depots sind:

  1. Keine Teilfreistellung der laufenden Erträge (bei Aktienfonds normalerweise 30 Prozent)
  2. Vollständige Versteuerung der Auszahlungen zum Grenzsteuersatz
  3. Höhere Kosten und begrenzte Produktauswahl

"Im Einzelfall könnte auch ein ETF-Depot ohne Förderung interessanter sein", so Nauhauser. "Entscheidend ist immer die Gesamtrechnung: Förderung minus Kosten minus Steuern."

Was Besitzer alter Riester-Verträge tun können

Für Sparer mit bestehenden Riester-Verträgen gibt es mehrere Optionen:

  • Zufriedene Kunden können ihre Verträge weiter besparen und auf die neue Förderung umstellen
  • Unzufriedene können Verträge beitragsfrei stellen oder in ein neues Altersvorsorgedepot wechseln
  • Das angesparte Kapital kann ohne Rückzahlung der Förderung übertragen werden
  • Vor Rentenbeginn ist ein Wechsel möglich, da die neuen Produkte in der Auszahlphase flexibler sind

Die Zeit wird zeigen, ob die Reform tatsächlich ihr Ziel erreicht: Mehr Menschen eine einfache, kostengünstige und effektive private Altersvorsorge zu ermöglichen. Bis dahin bleibt für Verbraucher vor allem eines wichtig: Informieren, vergleichen und nicht vorschnell entscheiden.

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