Tankstellenpreise trotz 12-Uhr-Regel auf Rekordniveau - Sonderaktionen führen zu Engpässen
Obwohl die Bundesregierung vor einer Woche die sogenannte 12-Uhr-Regel für Tankstellen eingeführt hat, steigen die Spritpreise in Deutschland weiterhin auf neue Rekordstände. Die Regelung erlaubt nur noch eine Preiserhöhung pro Tag, während Senkungen jederzeit möglich sind. Dennoch kratzt der Benzinpreis am bisherigen Rekord aus dem März 2022, und Diesel stellt bereits den sechsten Tag in Folge neue Allzeithochs auf.
Wirkungslose Regulierung und enttäuschte Verbraucher
Der Tankstellen-Interessenverband (TIV) zeigt sich auf Anfrage „enttäuscht und entsetzt“ über das Verhalten der Mineralölkonzerne während der Ostertage 2026. Verbandssprecher Herbert W. Rabl äußert sich kritisch: „Ein Festhalten an einer derartigen Abzocke-Gier hatte ich nicht für möglich gehalten.“ Preisforscherin Doreén Pick von der Hochschule Merseburg betont, dass die geplante Entlastung der Autofahrer verpufft sei. Viele Verbraucher fühlten sich „verschaukelt“, was das Vertrauen in die Bundesregierung weiter reduziere.
Strategien der Tankstellenbetreiber im Detail
Nach Inkrafttreten der Preisanpassungsverordnung zeigen sich laut dem Vergleichsportal benzinpreise.de klare Marktstrategien:
- Aral, Shell und Eni agieren als Preisführer und setzen das oberste Preisniveau.
- Betreiber wie Globus, AVIA und freie Tankstellen gelten als aggressive Unterbieter, die mehrmals täglich die Preise senken.
- Vergleichsweise günstige Anbieter wie Bft, Hem und Star erhöhen mittags die Preise um sieben bis zwölf Cent, während Aral und Shell nur um fünf bis sechs Cent anziehen.
Sonderaktionen führen zu chaotischen Zuständen
In Friedersdorf bei Bitterfeld-Wolfen boten die Tankstellen „Sprint“ und „Greenline“ ein Osterangebot an, bei dem Diesel für 2,24 Euro pro Liter verkauft wurde – deutlich unter dem Umgebungspreis von 2,35 bis 2,45 Euro. Schnell bildeten sich lange Schlangen, die bis auf die Bundesstraße 100 reichten. Bei Greenline war der Diesel am Ostermontag komplett ausverkauft, und die Preise stiegen anschließend wieder auf 2,47 Euro.
Gründe für die hohen Dieselpreise
Die Besteuerung von Diesel ist historisch etwa 20 Cent pro Liter niedriger als bei Benzin, da der Kraftstoff vor allem von Nutzfahrzeugen und Speditionen genutzt wird. An den Tankstellen zeigt sich dieser Preisabstand jedoch nicht mehr. Hauptgründe für die Verteuerung sind:
- Der Ukraine-Krieg: Deutschland importierte vor dem Krieg ein Drittel seines Diesels direkt aus Russland, was nun wegfällt.
- Probleme in ostdeutschen Raffinerien: Die Raffinerien in Leuna (Saalekreis) und Schwedt (Brandenburg) bezogen russisches Öl, das zu Diesel verarbeitet wurde. Während Leuna nun vor allem US-Öl bezieht, wird Schwedt aus Kasachstan versorgt, allerdings in geringeren Mengen.
Wirtschaftliche Auswirkungen und politische Reaktionen
Das Transportgewerbe in Sachsen-Anhalt sieht sich existenziell bedroht. Der Landesverband des Verkehrsgewerbes warnt: „Ohne sofortige Gegenmaßnahmen droht ein flächendeckendes Sterben mittelständischer Betriebe.“ Der Bundestagsabgeordnete Sepp Müller (CDU) aus Wittenberg, der in der Koalition eine Task-Force zu Energiepreisen leitet, betont: „Eine abschließende Bewertung des Preismodells ist zum jetzigen Zeitpunkt noch verfrüht.“ Die Taskforce hat sieben Entlastungsvorschläge vorgelegt, darunter:
- Eine Entlastung über die Pendlerpauschale
- Eine Senkung der Kfz-Steuer
- Eine befristete Senkung der Energiesteuer
- Ein Spritpreisdeckel
Müller fordert, dass der Staat zusätzlich eingenommene Mittel durch höhere Kraftstoffpreise an einkommensschwache Bürger und den Mittelstand zurückgeben müsse.



