Teilzeitarbeit führt zu massiven finanziellen Einbußen im Alter
Wer für die Familie oder andere Gründe im Beruf kürzertritt, muss nicht nur mit geringeren Gehältern rechnen, sondern auch mit deutlich reduzierten Rücklagen für das Alter. Eine aktuelle Berechnung des Vergleichsportals Verivox aus Heidelberg verdeutlicht, wie stark Teilzeitarbeit den Vermögensaufbau ausbremsen kann. Die finanziellen Folgen werden oft unterschätzt, können aber im Extremfall Hunderttausende von Euro betragen.
Konkrete Zahlen: So wirkt sich Teilzeit auf die Altersvorsorge aus
In einem beispielhaften Szenario investiert eine vollzeitbeschäftigte Person ab dem 30. Lebensjahr monatlich 300 Euro in einen ETF-Sparplan mit einer angenommenen jährlichen Rendite von 7,5 Prozent. Bis zum Renteneintritt mit 67 Jahren ergibt sich so ein Depotwert von rund 730.000 Euro. Davon entfallen lediglich 136.800 Euro auf eigene Einzahlungen, der Rest resultiert aus dem Zinseszinseffekt.
Würde dieselbe Person zwischen 30 und 40 Jahren nur halbtags arbeiten und in dieser Zeit die Sparrate auf 150 Euro halbieren, ändert sich die Situation dramatisch. Selbst wenn anschließend wieder Vollzeit gearbeitet und 300 Euro monatlich gespart werden, liegt der Depotwert bei Renteneintritt nur noch bei etwa 529.000 Euro. Das bedeutet einen Verlust von über 200.000 Euro gegenüber der durchgängigen Vollzeitarbeit.
Der Zinseszinseffekt entfaltet sich weniger stark
Der Grund für diese enorme Differenz liegt im geringeren Zinseszinseffekt während der Teilzeitphase. Auch bei einer vorübergehenden Reduzierung auf eine Dreiviertelstelle und entsprechender Anpassung der Beiträge bleiben am Ende mehr als 100.000 Euro weniger im Depot. Hinzu kommen die Einbußen bei der gesetzlichen Rente, die in dieser Rechnung noch nicht einmal berücksichtigt sind.
Frauen sind besonders betroffen
Von diesen finanziellen Nachteilen sind in Deutschland überwiegend Frauen betroffen. Laut dem Statistischen Bundesamt arbeitet rund jede zweite Frau (49 Prozent) in Teilzeit, während es bei Männern nur etwa jeder Achte (12 Prozent) ist. Diese Ungleichheit verstärkt die geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Altersvorsorge erheblich.
Expertin rät zu finanziellen Ausgleichsmaßnahmen
Melanie Ulbrich, Finanzexpertin bei Verivox, warnt: „Die finanziellen Folgen von Teilzeitphasen werden noch immer häufig unterschätzt.“ Sie empfiehlt Paaren, bei denen Teilzeitarbeit unvermeidbar ist, einen finanziellen Ausgleich für den benachteiligten Partner zu vereinbaren. So kann zumindest ein Teil der entstehenden Versorgungslücke geschlossen werden.
Die Studie unterstreicht, dass Teilzeitarbeit nicht nur kurzfristige Einkommenseinbußen mit sich bringt, sondern langfristig den Vermögensaufbau massiv beeinträchtigt. Eine frühzeitige Planung und Kompensation sind daher entscheidend, um im Alter nicht mit erheblichen finanziellen Defiziten konfrontiert zu sein.



