Dorfladen in Oberbayern sagt Lindt-Osterhasen den Kampf an
Im idyllischen Farchant im Landkreis Garmisch-Partenkirchen hat ein kleiner Dorfladen eine große Entscheidung getroffen: Die goldenen Osterhasen von Lindt werden dieses Jahr bewusst nicht ins Verkaufsregal gestellt. Geschäftsführer Peter Böhmer erklärt in einem emotionalen Facebook-Video seine Beweggründe: "Wir lassen uns nicht verarschen." Damit positioniert er sich klar gegen die Preispolitik des Schokoladenherstellers.
Preiserhöhungen trotz sinkender Rohstoffkosten
Eine aktuelle Analyse der Vergleichsapp Smhaggle zeigt, dass Osterhasen verschiedener großer Marken deutlich teurer geworden sind. Die Preise liegen je nach Größe und Hersteller zwischen sieben und 29 Prozent über denen des Vorjahres. Besonders deutlich fällt die Steigerung bei Lindt aus: Die 100-Gramm-Version kostet 70 Cent mehr als im März 2025, was einer Erhöhung von 16 Prozent entspricht. Die 50-Gramm-Variante ist sogar um 50 Cent teurer, was 18 Prozent ausmacht.
Diese Entwicklung ärgert Böhmer besonders, weil die Preise für Rohkakao zuletzt gesunken sind. "Sie erzählen uns, der Kakaopreis geht nach oben, sie sind so arm und sie müssen die Preise erhöhen", kritisiert der Geschäftsführer. "Dann bereichern sie sich am Endverbraucher, weil sie die Gelegenheit nutzen, gleich etwas mehr draufzuschlagen, um den Gewinn zu steigern."
Lindt verweist auf langfristige Einkaufsstrategie
Das Unternehmen Lindt & Sprüngli begründet die Preispolitik mit seiner langfristigen Einkaufsstrategie. Kakao werde über längere Zeiträume eingekauft, daher dauere es einige Zeit, bis sich niedrigere Kakaopreise auf die Produkte auswirken könnten. Diese Erklärung lässt Böhmer nicht gelten: "Das lasse ich mir nicht gefallen." Er gesteht selbstironisch, manchmal eine "Revoluzzer-Ader" zu haben.
Regionale Alternative aus der Bäckerei Komm
Statt der Lindt-Hasen bietet der Dorfladen Farchant nun handgefertigte Osterhasen von der regionalen Bäckerei Komm aus Ettal an. "Dann bleibt das Geld im Landkreis", betont Böhmer. Die Nachfrage ist so groß, dass die Bäckerei bereits nachproduzieren muss.
Die regionalen Osterhasen gibt es in drei Größen:
- Der kleine Hase kostet 3,30 Euro
- Der mittlere Hase ist für 5,60 Euro erhältlich
- Der große Hase wird für 8 Euro angeboten
Überwältigende Resonanz in sozialen Medien
Mit der Reaktion auf sein Facebook-Video hatte Böhmer nicht gerechnet. Bereits am Montag verzeichnete der Beitrag 130.000 Aufrufe, Tausende Likes und Hunderte Kommentare. "Da habe ich schon gestaunt", gibt der Geschäftsführer zu. Einerseits freue ihn der große Zuspruch, andererseits stimme es ihn nachdenklich, dass man offenbar mit "Krawall" Menschen erreiche.
"Mir geht es um meinen Laden, um die regionale Wertschöpfung und gute Lebensmittel", stellt Böhmer klar. Er wolle kein Krawall-Image, sondern dass seine Kunden die Qualität und Dienstleistung in seinem Geschäft schätzen. Dennoch ist er bereit, für seine Überzeugungen einzustehen und sein Gesicht zu zeigen.
Symbolischer Akt mit großer Wirkung
Der Boykott der Lindt-Osterhasen im Dorfladen Farchant ist mehr als nur eine lokale Protestaktion. Er steht symbolisch für die wachsende Unzufriedenheit vieler Verbraucher mit der Preispolitik großer Konzerne und für das zunehmende Bewusstsein für regionale Wirtschaftskreisläufe. Während die goldenen Lindt-Hasen in vielen Supermärkten weiterhin zu finden sind, zeigt das Beispiel aus Oberbayern, dass kleine Geschäfte durchaus alternative Wege gehen können – und damit auf breite Unterstützung stoßen.



