Netto testet exklusive SB-Kassen für registrierte Kunden
In einer ungewöhnlichen Maßnahme gegen den zunehmenden Ladendiebstahl testet die Discounter-Kette Netto Marken-Discount in ausgewählten Filialen eine exklusive Nutzung der Self-Checkout-Kassen für registrierte Stammkunden. Besonders auffällig ist die Situation in einer Filiale an der Schönhauser Allee im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg, wo seit Tagen die herkömmlichen Kassen überlaufen sind, während die SB-Kassen leer stehen.
Registrierungspflicht als Diebstahlschutz
„Exklusiv für unsere Stammkunden mit registriertem Netto plus- oder Payback-Konto“ – mit diesem Hinweis weist ein Aufsteller im Kassenbereich auf die neue Regelung hin. Ein Verkäufer erklärt gegenüber Medien: „So soll der Ladendiebstahl eingedämmt werden.“ In der Einzelhandelsbranche ist bekannt, dass viele Kunden an SB-Kassen bewusst oder unbewusst Artikel „vergessen“ zu scannen und direkt in ihre Taschen legen.
Dieses Problem hat international bereits zu Gegenmaßnahmen geführt. So baut beispielsweise die US-Einzelhandelskette Target ihre Self-Checkout-Kassen wieder ab. Netto geht nun einen anderen Weg und setzt auf Identifikation durch Registrierung.
Testphase in regional ausgewählten Filialen
Ein Sprecher von Netto Marken-Discount bestätigte: „Wir testen derzeit in wenigen regional ausgewählten Filialen eine angepasste Nutzung der Self‑Checkout‑Kassen.“ Wie viele Berliner Filialen genau betroffen sind, bleibt unklar. Aus wettbewerbsrechtlichen Gründen wollte das Unternehmen keine weiteren Details mitteilen.
Die Registrierung erfolgt über etablierte Systeme: Payback hat in Deutschland etwa 35 Millionen Kunden, die sich mit Namen, E-Mail-Adresse und Anschrift registriert haben. Etwa die Hälfte davon nutzt die Payback-App auf dem Smartphone. Dennoch scheint die neue Regelung bei Kunden nicht durchweg auf Zustimmung zu stoßen.
Reaktionen und Branchentrends
Die leeren SB-Kassen in der Berliner Testfiliale deuten darauf hin, dass viele Kunden die Registrierungshürde scheuen oder die herkömmlichen Kassen vorziehen. Der Test zeigt jedoch deutlich die wachsenden Herausforderungen des Einzelhandels mit Diebstahl an Self-Checkout-Stationen.
Während einige Händler komplett auf SB-Kassen verzichten, experimentiert Netto mit einem Mittelweg: Die Bequemlichkeit des Selbstscannens bleibt erhalten, wird aber an die Voraussetzung einer Kundenidentifikation geknüpft. Ob sich dieses Modell langfristig bewährt und auf weitere Filialen ausgeweitet wird, bleibt abzuwarten.
Der Test unterstreicht die Spannung zwischen Kundenservice und Sicherheitsbedürfnissen im modernen Einzelhandel – ein Balanceakt, den viele Unternehmen aktuell beschäftigt.



