Ein im Erzgebirge geplantes Bergwerk zur Gewinnung von Wolfram und Zinn steht vor einer Übernahme durch einen asiatischen Investor. Die Saxony Minerals & Exploration AG (SME) konnte die benötigten Finanzmittel nicht anderweitig beschaffen, wie Vorstand Rolf Staudenmaier der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Daher soll das Unternehmen an die in Singapur ansässige Prime Group verkauft werden. Der vereinbarte Kaufpreis beläuft sich auf 150 Millionen Euro. Die Transaktion bedarf jedoch noch der Genehmigung durch das Bundeswirtschaftsministerium.
Strategische Bedeutung des Wolframabbaus
Steigende Rohstoffpreise und die Abhängigkeit Europas von wichtigen Rohstoffen haben in den letzten Jahren zu einem verstärkten Interesse an Lagerstätten in Sachsen geführt. Nach einem jahrzehntelangen Niedergang des Erzbergbaus in Deutschland stehen plötzlich mehrere Projekte zur Debatte. In Pöhla, einem Ortsteil von Schwarzenberg, erteilte das Oberbergamt 2024 die Genehmigung zur Errichtung eines Bergwerks. Im Fokus steht insbesondere Wolfram, ein extrem hartes Metall, das unter anderem im Maschinenbau und in der Rüstungsindustrie dringend benötigt wird.
Geplante Förderung und Herausforderungen
Um an den strategisch wichtigen Rohstoff zu gelangen, soll eine Rampe rund zwei Kilometer in den Berg getrieben werden. Geplant ist eine jährliche Förderung von etwa 400.000 Tonnen Erz. Ursprünglich sollte der Abbau 2027 beginnen. Doch die Finanzierung erwies sich als schwierig.
Finanzielle Schwierigkeiten und Verkauf
Im Jahr 2025 musste das Unternehmen seinen Gläubigern einen Aufschub gewähren. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger warnte vor dem Risiko einer Zahlungsunfähigkeit in den kommenden Jahren. Die Unternehmensanleihe wird derzeit deutlich unter dem Ausgabepreis gehandelt und brachte nur gut sieben Millionen Euro ein, statt der erhofften bis zu 30 Millionen Euro.
Vorstand Staudenmaier erklärte: „Wir haben einen Investor gesucht, um in den Berg gehen und die Rampe bauen zu können.“ Mit dem Verkaufserlös sollen die Aktionäre abgelöst und Verbindlichkeiten wie die Unternehmensanleihe zurückgezahlt werden. Wann mit einem Bergwerksbetrieb zu rechnen ist, kann das Oberbergamt in Freiberg derzeit nicht abschätzen.
Skepsis vor Ort
Der geplante Verkauf wird in der Region teilweise kritisch gesehen. Anja Storch, Vorsitzende der Bürgerinitiative Pöhlwassertal, betont zwar die Chancen neuer Bergbauprojekte, weist aber auch auf mögliche Umweltbelastungen für Anwohner hin. Sie hinterfragt zudem, ob es sinnvoll sei, dass der Betrieb in ausländische Hände gelangt, wo doch Deutschland und Europa unabhängiger von Rohstoffimporten werden wollen.
Positive Preisentwicklung
Trotz der Unsicherheiten gibt es Hoffnung auf einen baldigen Beginn: Die Preise für Wolfram sind laut Deutscher Rohstoffagentur im Jahr 2025 auf neue Höchststände gestiegen, was die wirtschaftliche Attraktivität des Projekts erhöht.



