Neuer Industriestandort bei Fürstenwalde geplant: Bürgerinitiative kämpft gegen Waldrodung
Im brandenburgischen Fürstenwalde/Spree, nur etwa zwanzig Kilometer vom Tesla-Werk in Grünheide entfernt, plant die Stadt die Entwicklung eines großflächigen Gewerbe- und Industriestandortes. Die geplante Entwicklungsfläche umfasst rund 240 Hektar und soll als sogenannter Vorsorgestandort für künftige Unternehmensansiedlungen dienen. Konkrete Ansiedlungen sind frühestens in drei bis fünf Jahren zu erwarten, wie die Stadtverwaltung mitteilte.
Proteste gegen geplante Waldabholzung
Eine Bürgerinitiative mit dem Namen „Walderhalt Spreetal“ protestiert vehement gegen die Pläne und kritisiert insbesondere die dafür notwendige Abholzung von Waldflächen. Die Initiative spricht von einem XXL-Industriegebiet, das in Fürstenwalde-Ost und der Gemeinde Langewahl entstehen soll. Laut den Aktivisten sind rund 300 Hektar Wald für die Umwidmung vorgesehen, was annähernd der Größe des Tesla-Geländes in Grünheide entspricht. Auf ihrer Internetseite gehen sie sogar von einem bedrohten Waldgebiet von 430 Hektar aus.
„Wenn die Pläne der Stadt Fürstenwalde und der Gemeinde Langewahl umgesetzt würden, wird sich in der Region Oder-Spree einiges ändern“, so die Gruppe in einer aktuellen Mitteilung. Sie werfen der Stadt fehlende Transparenz und mangelnde Bürgernähe vor. Eine Sprecherin der Stadt Fürstenwalde reagierte darauf mit der Frage, auf welcher Datengrundlage diese Kommunikation basiere.
Stadt verteidigt Planung als notwendige Vorsorge
Die Stadt Fürstenwalde verteidigt die Planungen als notwendige vorausschauende Maßnahme. „Das Land benötigt Flächen dieser Art, um mögliche große Ansiedlungsinteressen bedienen zu können“, erklärte die Verwaltung. Es handle sich um eine strategische Vorbereitung von Flächen, die in Brandenburg nur vereinzelt oder gar nicht verfügbar seien. Ziel sei es, Investoren später bei Bedarf schnell geeignete Standorte über die Wirtschaftsförderung Brandenburg anbieten zu können.
Fragen zu eventuell zu rodenden Flächen ließen sich derzeit noch nicht konkret beantworten, hieß es weiter. Fürstenwalde liegt etwa 70 Kilometer südöstlich von Berlin an der Autobahn A12 und sieht in dem Projekt eine Chance, nach der angekündigten Schließung der Goodyear-Reifenproduktion bis Ende 2027 neue wirtschaftliche Impulse zu setzen.
Historischer Kontext: Tesla als Vorbild und Kontrast
Die Diskussion erinnert an die Tesla-Ansiedlung in Grünheide im Jahr 2020, die ebenfalls auf einem rund 300 Hektar großen Gelände erfolgte und massive Proteste auslöste. Während Tesla bereits produzierte, befindet sich das Fürstenwalder Projekt noch in einer frühen Planungsphase. Die Machbarkeitsstudie im Auftrag der Stadt betont die Notwendigkeit solcher Großflächen für die industrielle Entwicklung der Region.
Die Bürgerinitiative „Walderhalt Spreetal“ fordert hingegen den Erhalt der Waldflächen und eine offenere Kommunikation seitens der Stadt. Der Konflikt zwischen wirtschaftlichen Interessen und ökologischen Bedenken spitzt sich zu und könnte die weitere Entwicklung des Standortes maßgeblich beeinflussen.



