Ramelow: Zalando-Standort Erfurt nicht aufgeben – Treffen in Berlin
Ramelow: Zalando-Standort nicht aufgeben

Thüringens Ex-Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hält eine Schließung des Erfurter Zalando-Logistikzentrums mit rund 2.700 Arbeitnehmern für wirtschaftlich nicht vertretbar. „Es ist eine verantwortungslose Art und Weise, mit dem eigenen Betriebskapital so umzugehen“, sagte Ramelow der Deutschen Presse-Agentur in Erfurt. Nach seinen Angaben hat der Vorstand des Internet-Modehändlers 80 Millionen Euro als Schließungskosten für den Thüringer Standort veranschlagt.

Ramelow rechnet vor: Modernisierung günstiger als Schließung

Ramelow vertritt mit Verweis auf Expertenschätzungen die Ansicht, dass das große Logistikzentrum mit Investitionen von etwa 120 Millionen Euro auf den modernsten Stand gebracht werden könnte. „Die Differenz ist viel zu klein, um den Standort wegzuschmeißen“, meint Ramelow, der seit vergangenem Jahr Vizepräsident des Bundestages ist. Außerdem seien flankierende Hilfen wie Kurzarbeitergeld möglich. Er betonte, dass eine Schließung nicht nur die Beschäftigten, sondern auch die Region hart treffen würde.

Betriebsrat reist nach Berlin

Der Betriebsrat des Zalando-Logistikzentrums will an diesem Montag mit Belegschafts- und Gewerkschaftsvertretern nach Berlin fahren, um dem Vorstand des Dax-Konzerns hunderte Postkarten zu übergeben und mit ihm ins Gespräch zu kommen. Beschäftigte sowie ihre Familienangehörigen hätten auf den Karten ihre Sorgen, Forderungen und Gedanken zur Situation des Standorts notiert. Die Postkarten seien „die gesammelten Stimmen der Menschen, die diesen Standort über Jahre getragen haben. Wir erwarten, dass der Vorstand diese Stimmen hört und sich seiner sozialen Verantwortung stellt“, erklärte der Betriebsrat. Verlangt werde von der Belegschaft eine klare Perspektive, so die Arbeitnehmervertretung.

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Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) hatte bei einer Kundgebung am 1. Mai den Zalando-Vorstand aufgefordert, „das als Chance zum Dialog zu nutzen“. Es sollte nicht gegeneinander gearbeitet werden. Die Landesregierung zeigt sich besorgt über die mögliche Schließung und sucht nach Lösungen.

Gespräche im Bundestag geplant

Von Ramelow sei die Delegation am Montagnachmittag in den Bundestag eingeladen worden, berichtete der Betriebsrat. Die Arbeitnehmervertreter wollten mit Abgeordneten ins Gespräch kommen und ihre Positionen in der Auseinandersetzung um die Arbeitsplätze in Erfurt deutlich machen. Ziel sei es, politische Unterstützung für den Erhalt des Standorts zu gewinnen.

Zalando will das Logistikzentrum, mit dem der Online-Modehändler groß geworden ist, im September schließen. Damit würden alle Arbeitnehmer ihren Job in Erfurt verlieren. Der Konflikt schwelt seit Jahresbeginn, inzwischen hat es zwei Betriebsversammlungen, zuletzt ohne Managementvertreter, sowie eine Demonstration von Arbeitnehmern und Unterstützern in Erfurt gegeben. Außerdem läuft ein Arbeitsgerichtsverfahren um die Einrichtung einer Einigungsstelle. Die Belegschaft hofft auf eine Wende und setzt auf den Druck der Öffentlichkeit und der Politik.

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