Der familiengeführte finnische Aufzughersteller Kone übernimmt den bisherigen Konkurrenten TK Elevator (TKE) von einem Konsortium um die Finanzinvestoren Cinven und Advent. Die Transaktion bewertet die ehemalige Aufzugsparte von Thyssenkrupp mit 29,4 Milliarden Euro inklusive Schulden, wie die Parteien mitteilten. Die Übernahme solle in bar und neuen Kone-Aktien erfolgen.
Neuer Marktführer bei Aufzügen und Rolltreppen
Mit dem Zusammenschluss entsteht rechnerisch der weltweit größte Anbieter von Aufzügen und Rolltreppen. Im vergangenen Geschäftsjahr erzielte Kone einen Umsatz von rund 11,2 Milliarden Euro, TK Elevator kam auf gut 9,2 Milliarden Euro. Das neue Unternehmen mit mehr als 100.000 Mitarbeitern käme damit auf einen Jahresumsatz von knapp 20,5 Milliarden Euro und würde die bisherigen Marktführer Otis (12,3 Milliarden Euro) und Schindler (11,9 Milliarden Euro) überholen.
Hintergrund der Übernahme
TK Elevator gehörte bis 2020 zum Industriekonzern Thyssenkrupp, der die Mehrheit an dem Unternehmen dann für 17,2 Milliarden Euro an Cinven und Advent verkaufte. Thyssenkrupp ist noch an TK Elevator beteiligt. Kone hatte bereits damals mit Hilfe des Finanzinvestors CVC versucht, TK Elevator zu übernehmen, war aber nicht zum Zuge gekommen. Die Aktie von Thyssenkrupp legte nach der Ankündigung deutlich zu – am frühen Nachmittag lag sie mehr als acht Prozent über dem Schlusskurs des Vortags. Analysten sehen den Essener Industriekonzern als einen großen Profiteur des Deals.
Transaktionsdetails
Die Transaktion sieht vor, dass das Konsortium um Cinven und Advent fünf Milliarden Euro in bar sowie neue Aktien erhält. Die bisherigen Aktionäre halten an dem fusionierten Unternehmen dann 33,8 Prozent der Anteile und 18,3 Prozent der Stimmrechte. Kone-Aufsichtsratschef Antti Herlin soll nach dem Zusammenschluss mehr als 50 Prozent der Stimmrechte behalten. Mit einem Abschluss wird frühestens im zweiten Quartal 2027 gerechnet; die zuständigen Behörden müssen dem Deal noch zustimmen.
Kosteneinsparungen geplant
Der Zusammenschluss soll Kosten senken. Kone beziffert das Potenzial auf jährlich rund 700 Millionen Euro Vorsteuer-Kosteneinsparungen. Die Synergien sollen unter anderem durch eine höhere Dichte der Servicenetze entstehen. Rund zwei Drittel der Umsätze werden im Geschäft mit Service und Modernisierung erzielt.
Scharfe Kritik der IG Metall
Die IG Metall äußerte sich empört darüber, dass die Mitbestimmungsgremien vor der Bekanntgabe nicht informiert worden seien. Dies sei „ungeheuerlich“, sagte der Bezirksleiter der IG Metall NRW und stellvertretende TKE-Aufsichtsratsvorsitzende Knut Giesler. In der Ankündigung sehe man einen Angriff auf die Mitbestimmung und die Beschäftigten in Deutschland, Europa und global. „Darauf wird es auch entsprechende Reaktionen geben.“ Nähere Angaben machte die Gewerkschaft dazu nicht.
Verhandlungen der letzten Wochen zu einem neuen Tarifvertrag, der einen möglichen Börsengang absichern sollte, seien damit ad absurdum geführt, so Giesler weiter. Der Vertrag sollte nach Gewerkschaftsangaben ursprünglich an diesem Donnerstag unterzeichnet werden. Um eine „ausführliche Information“ zum weiteren Prozess zu bekommen, forderte die Gewerkschaft die Einberufung einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung innerhalb der nächsten sieben Tage.
Reaktion von TKE
Das Unternehmen reagierte auf die Kritik: „TKE sowie seine Gesellschafter nehmen die Äußerungen der Arbeitnehmervertreter wahr und befinden sich im Austausch mit der IG Metall und der Mitbestimmung.“ Die Parteien seien sich der Verantwortung gegenüber den Mitarbeitenden von TKE bewusst und nähmen deren Anliegen und ihre Vertreter sehr ernst. Der Unternehmenszusammenschluss unterliege noch der Genehmigung durch die Aufsichtsbehörden. „Die aufseiten von TKE getroffenen Vereinbarungen zur Mitbestimmung und Tarifverträgen gelten unverändert und bieten Sicherheiten für die Mitarbeitenden in Deutschland.“



