Stahl-Chefin warnt: Politik treibt Arbeiter in die Arme der AfD
Stahl-Chefin warnt vor Deindustrialisierung

Wie lange will die Politik noch zuschauen, wie die deutsche Wirtschaft abschmiert? Jetzt schlägt eine Stahlunternehmerin Alarm! Anne-Marie Großmann ist Vorstand der GMH Gruppe, eines Stahlunternehmens mit rund 6000 Mitarbeitern an mehreren Standorten in Deutschland. Im Podcast von BILD-Vize Paul Ronzheimer warnt sie vor massiven Schäden für Industrie und Politik.

Rasantes Tempo der Deindustrialisierung

„Also wenn es wirklich so weitergeht und wir nicht irgendwann mal den Ruck reinbekommen, dann haben wir die Gefahr, dass wir noch schneller Arbeitsplätze verlieren als heute. Wir sind ungefähr bei 10.000 industriellen Arbeitsplätzen, die jeden Monat verloren gehen und auch nicht wieder zurückkommen“, so Großmann.

Gefahr für Deutschland

Die Stahlproduktion sei „ein Grundprodukt für diese ganzen weiterverarbeitenden Betriebe, die daraus dann zum Beispiel Zulieferungen machen für die Automobilindustrie, für die Energieindustrie, jetzt auch für die Verteidigungsindustrie, die immer stärker wächst“. Die Folge: „Wir haben ja eine super Grundlage in Deutschland, weil wir eine ganz tolle Industrie haben, die nur leider nach und nach weiter wegbricht. Und das macht uns einfach Sorgen.“

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Gefahr der Job-Verluste

„Und das sind ja alles sehr gut bezahlte und sehr anspruchsvolle Jobs, die wir haben. (...) Da muss man schon ein paar Jahre erst mal überhaupt anlernen, diesen Job gut zu machen, zum Beispiel als Schmelzer oder als Schmiedemeister in der Schmiede. Und wenn diese Jobs verloren gehen würden, dann wäre die Perspektive für die Kollegen natürlich keine gute.“

Unberechenbare Energiepreise

Das Stahlunternehmen verbrauche pro Jahr ungefähr so viel Strom wie eine mittelgroße Stadt. Die Preise für Strom und Gas hätten sich „enorm negativ“ entwickelt. Dazu komme Chaos auf den Märkten: „Wir hatten vorletzte Woche einen Tag, da waren die Strompreise mittags bei minus 200 Euro und nächsten Tag bei über 400 Euro pro Megawattstunde. Das heißt, 600 Euro Unterschied. Das ist total unvorhersehbar.“

Frust vieler Arbeiter

„Sie sehen auch, dass diese Herausforderungen, die tatsächlich ja auch politisch herbeigeführt werden, ihre Arbeitsplätze bedrohen. Dazu kommt dann, dass ein hohes politisches Unverständnis besteht. Und ich kriege häufig gesagt: ‚Frau Großmann, wie halten Sie das überhaupt aus, mit den Politikern da zu sprechen? Weil die erzählen ja immer alle möglichen tollen Dinge, aber am Ende uns geholfen wird nicht.‘ Und diese Stimmung, muss ich sagen, können wir natürlich als Unternehmer leider auch nachvollziehen.“

Hoher Anteil an AfD-Wählern

„Wenn man sich die Ergebnisse der letzten Bundestagswahl anschaut, dann haben wir schon in einigen der Standorte in den Wahlkreisen AfD-Anteile, die um die 50 Prozent sind. Und ganz ehrlich: Das ist etwas, was mir Sorge macht. Weil das bedeutet, dass unsere großen Parteien der Mitte, wie sie sich ja selber nennen, nicht mehr in der Lage sind, die Wähler abzugreifen. Und eben auch gerade diese Menschen, die in wirklich gut bezahlten Jobs unterwegs sind, die sehr stolz sind auf das, was sie tun (...) Das kann ich auch keinem Kollegen vergelten, dann zu sagen: Okay, ich sehe mich hier nicht mehr vertreten und ich fühle mich dazu gezwungen, auch anders zu wählen.“

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration