Berlin – Deutschlands Wirtschaft steht unter Dauerstress: Jetzt warnt auch die renommierte Wirtschaftsauskunftei Creditreform: „Es wird 2026 wieder mehr Insolvenzen und vor allem Schließungen geben“. Chefökonom Patrik-Ludwig Hantzsch kann zwar noch nicht sagen, wie schlimm es genau wird. „Dazu ist das Jahr eine viel zu große Blackbox“, sagt er. Dennoch ist er sicher: Es wird längst nicht nur schwache Unternehmen treffen. „Besonders besorgniserregend ist derzeit, dass viele Unternehmen und Betriebe aus dem verarbeitenden Gewerbe trotz eigentlich gesunder Unternehmensstruktur aus dem Markt austreten müssen“, sagt Hantzsch. Ein Alarmsignal für den Industriestandort Deutschland!
Folgen: Wertvolles Know-how geht verloren
Die Folgen sind dramatisch: Mit jeder Pleite geht wertvolles Know-how verloren. „Teilweise verschwinden Unternehmen, deren Anlagen heute überhaupt keine Zulassung mehr bekommen würden, vor allem im metallverarbeitenden Gewerbe“, sagt der Ökonom. Diese Unternehmen brauchten wir aber, „um für das Geschäftsmodell Deutschland neue Lösungen und innovative Ansätze zu finden.“ Doch genau diese Basis bröckelt.
Rekordzahlen bei Insolvenzen
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Laut Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) gab es allein im April dieses Jahres 1776 Insolvenzen – so viele wie seit 20 Jahren nicht mehr! Und die Aussichten bleiben düster: „Für die kommenden Monate ist keine Entspannung in Sicht“, heißt es. IWH-Insolvenzforschungsexperte Steffen Müller warnt sogar, „dass bis einschließlich Juli mit sehr hohen Insolvenzzahlen zu rechnen ist“.
Europaweite Krise: Deutschland als Treiber
Auch europaweit zieht Deutschland die Krise mit nach oben. Patrik-Ludwig Hantzsch stellt klar: Die Probleme in großen „Ankerländern“ wie Deutschland „treibt die Insolvenzzahlen in ganz Europa“. 2025 gab es in Westeuropa insgesamt 197.610 Firmenpleiten. Der höchste Stand seit mehr als zwei Jahrzehnten! Deutschland liegt beim Anstieg mit plus 8,8 Prozent weit vorne, und zwar auf dem vierten Platz hinter der Schweiz, Griechenland und Finnland.
Ursachen: Welthandel, Geopolitik, Energiepreise, Bürokratie
Ursachen gibt es viele: „Ein schwacher Welthandel und geopolitische Risiken setzen Europas Unternehmen zu.“ Dazu kommen hausgemachte Probleme: Hohe Energiepreise und Bürokratie lähmen die Wettbewerbsfähigkeit. „Diese doppelte Belastung frisst sich tief in die Substanz vieler Betriebe.“
Doch Hantzsch macht auch klar: Pleiten gehören zum System. „Ein überlebenswichtiger Mechanismus in unserer sozialen Marktwirtschaft.“ Heißt aber auch: „Bis dahin wird es noch einige Pleiten geben.“



