Ifo-Index bricht ein: Deutsche Wirtschaft rutscht in Richtung Corona-Krise
München – Die deutsche Wirtschaft verliert rasant an Schwung und nähert sich gefährlich dem Niveau der Corona-Pandemie. Der Ifo-Index, das wichtigste Stimmungsbarometer der deutschen Wirtschaft, ist im April regelrecht eingebrochen: minus 1,9 Punkte auf nur noch 84,4 Zähler. Zum Vergleich: 100 Punkte gelten als normale Wirtschaftslage. Schlechter stand es zuletzt im Mai 2020, mitten im ersten Corona-Lockdown. Aktuell ist die Lage zwar noch nicht ganz so dramatisch, aber dennoch alarmierend.
Der Absturz kam nicht unerwartet, aber in dieser Heftigkeit überraschte er selbst Experten. Analysten hatten zwar mit einem Rückgang gerechnet, lagen mit ihren Prognosen jedoch deutlich daneben. Ifo-Präsident Clemens Fuest kommentierte: „Die Hoffnungen auf einen Aufschwung sind vorerst dahin.“ Hauptursache der neuen Schwäche ist der Iran-Krieg und die daraus resultierende Furcht vor einem erneuten Energieschock. Besonders die unsichere Lage rund um die Straße von Hormus, einer der wichtigsten Öltransitrouten der Welt, setzt die Unternehmen massiv unter Druck.
Droht nun eine Rezession?
Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer warnt: „Der Einbruch des Ifo-Geschäftsklimas zeigt unmissverständlich, wie sehr der Energiepreisschock die deutsche Wirtschaft trifft.“ Selbst im optimistischsten Szenario sei nur ein Mini-Wachstum zu erwarten. Die kommenden Monate könnten noch härter werden: Laut Ifo-Institut droht der deutschen Wirtschaft im zweiten Quartal sogar ein Rückgang. Ifo-Experte Klaus Wohlrabe erklärt: „Im schlimmsten Fall könnte das Bruttoinlandsprodukt um 0,1 bis 0,2 Prozent schrumpfen.“
Kommt die Erholung überhaupt noch?
Deutsche-Bank-Ökonom Robin Winkler bewertet die Lage deutlich kritischer als zuvor: „Die Auswirkungen des Iran-Konflikts sind gravierender, als die meisten Volkswirte prognostiziert haben.“ Aus seiner Sicht wackelt damit auch die Hoffnung auf eine schnelle wirtschaftliche Erholung: „Sie dürfte sich in die zweite Jahreshälfte verschieben – wenn sie überhaupt noch kommt.“
Besonders stark betroffen sind energieintensive Branchen wie die Chemie-, Gummi- und Kunststoffindustrie. Erste Lieferengpässe zeichnen sich bereits ab. Auch die Logistikbranche und der Tourismus kämpfen mit steigenden Kosten, zunehmender Unsicherheit und verunsicherten Kunden. Ifo-Experte Wohlrabe fasst die Stimmung zusammen: „Die deutsche Wirtschaft verliert die Zuversicht. Die Unsicherheit frisst sich durch die Wirtschaft, es gibt kaum Lichtblicke.“



