IWF senkt globale Wachstumsprognose: Irankrieg belastet Weltwirtschaft durch Energiepreisschock
Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine weltweiten Wachstumserwartungen aufgrund des anhaltenden Irankriegs deutlich nach unten korrigiert. Hohe Preise für Öl und Gas setzen der globalen Wirtschaft schwer zu, wobei die Eurozone besonders betroffen ist. IWF-Chefökonom Pierre-Olivier Gourinchas erklärt: "Der globale Ausblick hat sich abrupt verdüstert." Die Ökonomen schließen sogar eine globale Rezession nicht aus, falls der Konflikt länger andauert.
Deutschland und Eurozone im Fokus der Abschwächung
Für Deutschland prognostiziert der IWF nur noch ein Wachstum von 0,8 Prozent im Jahr 2026 und 1,2 Prozent für 2027. Zuvor waren 1,1 Prozent für 2026 erwartet worden. Diese Revision folgt auf Warnungen führender Wirtschaftsforschungsinstitute, die bereits ein Wachstum von nur 0,6 Prozent für die deutsche Wirtschaft vorhersagten. Timo Wollmershäuser, Konjunkturchef des Ifo-Instituts, betont: "Der Energiepreisschock durch den Irankrieg trifft die Erholung der deutschen Wirtschaft hart."
Für die Eurozone wurden die Prognosen ebenfalls gesenkt: In den kommenden zwei Jahren werden nun 1,1 und 1,2 Prozent Wachstum erwartet, jeweils 0,2 Prozentpunkte weniger als zuvor. Diese Annahmen gelten jedoch nur unter der Bedingung, dass der Krieg in Dauer, Intensität und Umfang begrenzt bleibt und die wirtschaftlichen Störungen bis Mitte 2026 abklingen.
Globale Risiken und regionale Unterschiede
Der IWF hat mehrere Szenarien durchgerechnet. Im negativsten Fall könnte die Weltwirtschaft dieses Jahr nur noch um rund zwei Prozent wachsen, während die Inflation im nächsten Jahr auf über sechs Prozent steigen würde. Bei Werten unter zwei Prozent spricht man von einer globalen Rezession, ein Ereignis, das seit 1980 nur viermal aufgetreten ist. Im langfristigen Durchschnitt lag das globale Wachstum bei 3,7 Prozent pro Jahr.
Während viele Nationen unter den Folgen leiden, profitiert Russland vom Irankrieg. Der IWF rechnet dort mit einem leicht höheren Wirtschaftswachstum als zuvor. Auch die USA, als Netto-Exporteur von Energie, spüren die Auswirkungen weniger stark und halten an Wachstumsraten von 2,3 bis 2,1 Prozent fest. Gleiches gilt für China und Indien. Allerdings verzeichnen mehrere Golfstaaten deutliche Einbrüche.
Auswirkungen auf ärmere Länder und Inflationstrends
Ärmere Schwellen- und Entwicklungsländer werden die Folgen des Kriegs laut IWF deutlicher spüren als Industrienationen, vor allem durch eine höhere Inflation. Weltweit wird für 2026 eine Teuerungsrate von 4,4 Prozent erwartet, für 2027 von 3,7 Prozent. Das sind jeweils 0,6 und 0,3 Prozentpunkte mehr als noch im Januar prognostiziert. Im Jahr 2025 lag die Inflation bei 4,1 Prozent.
Neben Energie, wo für Öl ein Preisanstieg von über 21 Prozent in diesem Jahr erwartet wird, sind auch Lebensmittel von größeren Preissprüngen betroffen. Grund dafür sind höhere Kosten für Düngemittel und Transport. Der versprochene Aufschwung wird somit weiter verschoben, und Ökonomen fordern dringende Maßnahmen von Regierungen, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln.



