EU-Agrarkommissar warnt vor Abhängigkeit: Düngemittelindustrie in Europa muss erhalten bleiben
EU-Agrarkommissar: Düngemittelindustrie in Europa halten

EU-Agrarkommissar warnt vor gefährlicher Abhängigkeit bei Düngemitteln

Der EU-Agrarkommissar Christophe Hansen hat sich mit deutlichen Worten für den Erhalt der Düngemittelindustrie in Europa ausgesprochen. Bei einem Besuch der SKW Stickstoffwerke Piesteritz GmbH in der Lutherstadt Wittenberg betonte der Luxemburger die strategische Bedeutung dieser Branche für die europäische Landwirtschaft und die gesamte Ernährungssicherheit.

Werksschließungen müssen unbedingt verhindert werden

Hansen machte unmissverständlich klar, dass Werksschließungen innerhalb der Europäischen Union mit allen Mitteln verhindert werden müssen. „Wir dürfen nicht zulassen, dass Europa bei der Düngemittelproduktion in eine zunehmende Abhängigkeit von anderen Ländern rutscht“, erklärte der Agrarkommissar mit Nachdruck. Gleichzeitig müsse sichergestellt werden, dass Landwirte Düngemittel zu akzeptablen Preisen beschaffen können, um ihre Betriebe wirtschaftlich führen zu können.

Parallelen zu Medikamenten und Halbleitern

Der EU-Kommissar zog beunruhigende Parallelen zu anderen kritischen Wirtschaftsbereichen: „In ganz vielen Bereichen unserer Wirtschaft haben wir bereits gefährliche Abhängigkeiten entwickelt. Im Medizinbereich importieren wir zahlreiche Wirkstoffe für Medikamente zu 90 oder sogar 100 Prozent aus Ländern wie China und Indien“, verdeutlichte Hansen. „Ähnlich verhält es sich bei Semiconductors und Microchips, wo wir ebenfalls zu abhängig geworden sind. Ich will mit aller Kraft verhindern, dass wir auch im Lebensmittelbereich in die gleiche Abhängigkeitsfalle tappen.“

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Extremer Druck auf die europäische Landwirtschaft

Die Landwirtschaft in der Europäischen Union befindet sich nach Hansens Einschätzung in einer extrem schwierigen Lage. Die hohen Düngemittelpreise setzen die Betriebe massiv unter Druck. „Bereits vor der durch den Krieg im Iran ausgelösten Krise hatten sich Düngemittel um 60 Prozent im Vergleich zu 2020 verteuert“, berichtete der Agrarkommissar. Weitere Preissteigerungen würden die Wirtschaftlichkeit vieler landwirtschaftlicher Betriebe ernsthaft gefährden.

Strategische Bedeutung für die Ernährungssicherheit

Hansen unterstrich die fundamentale Bedeutung einer funktionierenden Düngemittelindustrie: „Deshalb ist es von entscheidender Wichtigkeit, dass wir genügend Düngemittel zur Verfügung haben und zu Preisen, mit denen unsere Landwirte dann auch tatsächlich produzieren können“. Der Erhalt der Produktionskapazitäten in Europa sei nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine strategische Frage der Ernährungssouveränität des Kontinents.

Der Besuch bei den SKW Stickstoffwerken in Piesteritz unterstreicht die Dringlichkeit dieser Thematik. Die Diskussion um die Zukunft der Düngemittelindustrie wird in den kommenden Monaten sicherlich weiter an Bedeutung gewinnen, da die europäische Agrarpolitik vor grundlegenden Weichenstellungen steht.

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